Übermensch

Übermensch ist eigentlich nichts anderes als die Idee des vollkommeneren, des vollkommensten Menschen, sowohl als Gattung wie auch als Individualität (Genie) gedacht. Der Ausdruck »Übermensch« findet sich schon bei HEINR. MÜLLER, dann bei HERDER, GOETHE, HIPPEL, JEAN PAUL (vgl. Zeitschr. f. deutsche Wortforsch., hrsg. von Fr. Kluge, I, 1 ff.). bei GOETHE (»Faust«, »Zueignung«), welcher fragt, ob nicht der Mensch nur »ein Wurf nach einem höheren Ziele ist« (Gespräche, hrsgegeb. von Biedermann II, 263). Verwandt mit dem Begriffe des (individuellen) Übermenschen ist der Begriff des »Helden« bei CARLYLE. Ähnlich erklärt RENAN: »Der Zweck, den die Welt verfolgt, liegt... darin: Götter, höhere Wesen zu schaffen, welchen die übrigen bewußten Wesen Verehrung erweisen, und denen zu dienen sie glücklich sein sollen« (Philos. Dial. u. Fragm. S. 75). Der Zweck der Menschheit ist »die Hervorbringung großer Männer« (l. c. S. 76). »Die Masse arbeitet. einige erfüllen für sie die höheren Funktionen des Lebens« (l. c. S. 91). In diesem Sinne (teilweise) prägt den Begriff des Übermenschen NIETZSCHE. Er versteht unter ihm zweierlei: 1) das Genie, das mit künstlerischer Souveränität (s. F. SCHLEGEL: Ironie) oder kraftvollster Rücksichtslosigkeit seine hochwertige Persönlichkeit, ausgerüstet mit der autonom Werte setzenden »Herrenmoral« (s. Sittlichkeit), entfaltet, auslebt, durchsetzt (etwa wie der starke, freie Renaissancemensch), also die biologisch und geistig weit aus der Masse hervorragende, mit höchstem »Willen zur Macht« (s. d.) ausgestattete Persönlichkeit, die Selbstzweck ist, für die die Masse nur Mittel ist. 2) einen ähnlichen Gattungstypus, auf den alle Entwicklung hinzielt, das Produkt langer, glücklicher (auch bewußt-planmäßiger) Züchtung. An der Züchtung des Übermenschen zu arbeiten, ist Lebenswerk der Menschheit (WW. VII, 138 f.. VIII, 218 f.. u. ö.). Vgl. Rechtsphilosophie (KALLIKLES).


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