Beschreibung des Lustschlosses Schooneberg.
Allgemeine Liebe des Volkes für den Herzog Albert


Eine halbe Stunde vor der Stadt, an dem Kanal von Mecheln, liegt das Lustschloß Schooneberg, bei Laken, welches wir heute in Augenschein nahmen. Vor acht Jahren erndtete man auf dem Platz, den jetzt ein Pallast und ein Park mit hohen Bäumen und geschmackvollen Tempeln zieren, noch den herrlichsten Waizen. Der Herzog Albert von Teschen und seine Gemahlin, die Gouvernantin der Niederlande, die Lieblingstochter der Kaiserin Maria Theresia, kauften gleich nach ihrer Ankunft das Landgut, welches diesen Platz okkupiert, mit dem alten darauf befindlichen Schloss, das ihnen zum Absteigequartier diente, so oft sie herauskamen um den Bau zu dirigieren. Die ganze neue Anlage ist ein Werk des Herzogs, ein herrliches Denkmal seines Geschmacks, seines Kunstgefühls und seines ordnenden Geistes. Nach seinen eigenen Handzeichnungen ward das Schloß in allen seinen Teilen aufgeführt. Es ist ein schön proportioniertes Gebäude mit einer Kupole in der Mitte, die über einem prächtigen Peristyl von zwölf korinthischen Säulen steht. Dieser schöne Saal ist ganz von weißem Stein erbaut, mit Verzierungen nicht überladen, wohl aber reich geschmückt und von den entzückendsten Verhältnissen. Der Fußboden ist mit vielfarbigem Marmor ausgelegt, und die Kamine von karrarischem Marmor, mit Basreliefs nach den schönsten antiken Mustern, meisterhaft verziert. Die Einrichtung und das Ameublement der übrigen Zimmer ist eben so schön als prächtig und geschmackvoll; besonders sind die Spiegel aus den Pariser Gobelins von ungeheurer Größe. Was mir am meisten gefiel, war die edle, elegante Simplizität der kleinen Privatkapelle; sie ist ein Viereck mit einer halben Kuppel zur Nische, worin eine mit sehr viel Geist gearbeitete und sehr sorgfältig nach einem römischen Original vollendete Muse oder Göttin von karrarischem Marmor, mit Krone und Zepter zu ihren Füßen, unter dem Namen der heiligen Christina, die Hausgottheit vorstellt. Der Bildhauer le Roy in Namur ist der Urheber dieses schönen Kunstwerkes. Über ihrem Haupt ist ein leuchtender Triangel im Plafond angebracht; und in der Mitte des Zimmers schwebt eine Taube an der Decke, schön gearbeitet und den übrigen reichen palmyrenischen Verzierungen gar nicht heterogen. Man glaubt wirklich in einem Tempel des Altertums zu sein, und die Illusion wird noch vollkommener werden, wenn erst statt des hölzernen, angemalten Sarkophags, der den Altar vorstellt, einer von Porphyr da stehen wird. Die Stühle und Schirme in mehreren Zimmern hat die Erzherzogin selbst mit reicher Stickerei geschmückt. Nie sah ich eine glücklichere Anwendung der japanischen oder chinesischen Porzellantöpfe, die man gewöhnlich in fürstlichen Pallästen antrift, als hier. Eine große Urne war in herrlich vergoldetes Bronze gefaßt, das sich in ein antikes dreifüßiges Untergestell vom schönsten Geschmack endigte. Über derselben stand ein langes, zylindrisches Porzellangefäß, mit dem unteren durch die Einfassung verbunden, welche sodann als ein prächtiger Leuchter mit vielen Armen empor stieg und in der Mitte sich in ein Bündel Thyrsusstäbe endigte.

Der Park hat schöne Partien und gab uns einen angenehmen Vorschmack des Vergnügens, welches wir in England, dem Vaterland der wahren Gartenkunst zu genießen hoffen. Ein gegrabener Kanal, der mit dem schiffbaren Kanal von Vilvoorden zusammenhängt, hat völlig das täuschende Ansehen eines sich schlängelnden Flusses. Die Kaskade, die freilich nur vermittelst einer Feuermaschine von der neuen Boltonschen Erfindung spielt, ist kühn und wild, und steht mit einer eben so schönen unterirdischen Felsengrotte in Verbindung. Der Zylinder der Feuermaschine hat vier und vierzig Zoll im Durchmesser, und wenn die Kaskade anderthalb Stunden laufen soll, werden sechzig Zentner Steinkohlen verbrannt. Die botanischen Anlagen zeichnen sich durch Kostbarkeit, vollkommene Erreichung des Zweckes, und Seltenheit der exotischen Pflanzen aus. Ein Botaniker würde davon urteilen können, wenn ich ihm nur einige nennte, die ich in den Treibhäusern sah.5 Die Orangerie, die Blumenbeete, die Offizen, die Menagerie, der Chinesische Turm, sind in ihrer Art zweckmäßig und schön. Der Turm hat in elf Etagen zweihundert ein und dreißig Stufen, und ist über hundert und zwanzig Fuß hoch. Die Aussicht auf dem obersten Gipfel ist unermeßlich: wir sahen den Turm von St. Romuald in Mecheln, so trübe auch das Wetter war; wenn aber der Horizont heiter ist, sieht man Antwerpen.

Alles in dieser Anlage verrät nicht bloß das Kunstgefühl und den Geschmack der erhabenen Besitzer, sondern auch ihre besondere Liebe für dieses Werk ihrer schönsten Stunden, wo sie ausruhten von der traurigen Geschäftigkeit eines politischen Verhältnisses, welches sie großenteils zu blinden Werkzeugen eines fremden und von ihren Herzen wie von ihrer Einsicht nicht immer gebilligten Willens herabwürdigte. So manche Eigentümlichkeit in dem Detail der hiesigen Gärten führt ganz natürlich den Gedanken herbei, dass je mehrere von ihren Ideen sich hier realisierten, desto werter auch dieser ländliche Aufenthalt ihnen werden mußte, desto vollkommener und inniger der Genuß eines von den Fesseln der Etiquette und der falschen Freundschaft entbundenen Lebens, das ihrem edleren Sinne angemessen war. Ich läugne daher nicht, dass es mich schmerzte, hier sowohl, als im Schlosse zu Brüssel, die Dienerschaft der ehemaligen Generalgouverneurs in voller Arbeit anzutreffen, um alle Mobilien, mit Inbegriff der Tapeten, einzupacken und zufolge einer von den Ständen erhaltenen Erlaubnis außer Landes zu schicken. Der Lieblingswissenschaft der Erzherzogin, der Kräuterkunde, der sie hier mit so großer Freigebigkeit ihre Pflege hatte angedeihen lassen, sollte nun auch dieser Schutz entzogen werden; dergestalt, dass in kurzem keine Spur von dem schöpferischen Geiste übrig sein wird, auf dessen Geheiß diese Steinmassen sich im schönsten Ebenmaße der Griechischen Baukunst erhoben, und tausendfaches Leben aus allen Weltteilen in diesen Gärten blühte! – Dies ist das Schicksal der allzuzarten Blume der Geisteskultur; die Sorgfalt und Mühe von ganzen Menschenaltern sie groß zu ziehen, zerstört ein Hauch der Unwissenheit! Wie viele Jahrhunderte würden wohl hingehen müssen, ehe diese feisten Mönche von Sankt Michel, von Tongerloo und Everbude, von Gembloux, Grimbergen, Sankt Bernard, Vlierbeck und wie die dreizehn Abteien heißen, den echten Menschensinn wieder erlangten, dass es etwas mehr in der Welt zu tun gibt, als den Leib zu pflegen und das Gebet der Lippen zu opfern? Ehe sie erkennen lernten, dass – ... Nein! wozu sollt' ich die Danaidenarbeit fortsetzen und berechnen, wenn die Unmöglichkeit möglich werden kann? Wer den Genuß kennt, wo Gefühl und Verstand, durch täglichen Kampf und täglichen Sieg bereichert, einander unaufhörlich berichtigen, der darf nicht rechten mit dem Schicksal, welches oft die Völker mitten in ihrer Laufbahn aufhält und ihre Entwickelung zu höheren Zwecken des Daseins eigenmächtig verspätet. Die Menschheit scheint hier nicht reif zu sein zu dieser Entwicklung. Sie ist nicht unempfänglich für das Gute; allein ihr Wille wankt, und ihr Geist ist gebunden. Ganz Brabant vergötterte den Herzog Albert; es war nur eine Stimme über seine Tugend; mitten in den heftigsten Ausbrüchen des Aufruhrs blieb die Liebe des Volkes ihm treu und äußerte sich im lauten Zuruf: Albert lebe! Aber nie dachte dieses Volk ohne eigene Energie den Gedanken, sich den Fürsten, den es liebte, statt der Tyrannen zu wählen, die seine Priester ihm gaben.




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 © textlog.de 2004 • 24.10.2017 09:35:11 •
Seite zuletzt aktualisiert: 18.11.2007 
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