Aristokratische Verblendung gegen Leopolds Anerbietungen


Wenn uns da noch Unvollkommenheiten betrüben, wo größere und edlere Menschheit uns anzieht, wie werden wir den Blick mit Widerwillen wegwenden von jenen Unglücklichen, deren sittliche Mißgestalt kein Zug von guter Bedeutung mildert? Der glückliche Erfolg ihrer Unternehmungen kann aus ihrem Namen die Brandmale nicht tilgen, womit die Wahl der niedrigsten Mittel, Doppelzunge, Arglist, Bestechung, Verrat, Aufwiegelung und Mißbrauch der Gottesfurcht des Pöbels, Plünderung und Mord der Bürger, sie gezeichnet hat. Gewiß, die Brabanter sind bedauernswert, dass Menschen von dieser Gattung ihre Führer geworden sind und ihr ganzes Vertrauen besitzen! Sie waren es, die dem Volk einen so tödtlichen Haß gegen die ganze Verwandtschaft seines ehemaligen Fürsten einflößten, dass Josephs Tod und Leopolds strenge Mißbilligung aller seiner Neuerungen noch keinen Eindruck auf die Herzen haben machen können, so empfänglich sonst die unverdorbene Natur des Menschen für sanftere Empfindungen zu sein pflegt, wenn der Tod des Beleidigers Genugthuung gibt und alle seine Schulden tilgt. Die großen Anerbietungen des Königs von Ungarn und Böhmen haben zwar hier in Brüssel und noch mehr in Flandern die Partei der so genannten Royalisten verstärkt; allein die Masse des Volkes hat von seinen Seelsorgern gelernt, den Namen Leopold mit Abscheu zu nennen und mit demselben, wie mit Josephs Namen, den furchtbaren, dunklen Begriff der Irrgläubigkeit zu verbinden. Diese Schreckbilder mögen hinreichend sein, um den Ständen den Gehorsam der Brabanter zuzusichern; werden sie ihnen aber auch einst Kraft und Mut einflößen, Leopolds Krieger zurückzuschlagen? In der Tat, der Anblick der Freiwilligen, die wir hier täglich aufziehen sehen, und was wir von dem Zustande der Disciplin und der Taktik bei der Armee vernehmen können, läßt diese Vermutung nicht aufkommen. Die einzige gegründete Hofnung der Stände von Brabant und der übrigen Provinzen auf die Erhaltung ihrer Unabhängigkeit, liegt in der Eifersucht der Mächte Europens gegen das Haus Österreich.




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 © textlog.de 2004 • 11.12.2017 03:28:05 •
Seite zuletzt aktualisiert: 18.11.2007 
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