Demolition der Festungswerke von Tournai.
Verächtliche Miliz daselbst


Durch die Ruinen der weitläuftigen Festungswerke von Tournai, kamen wir um Mittag in diese große, aber wenig bevölkerte Hauptstadt des Ländchens Tournesis, welches eine eigene Belgische Provinz ausmacht. Die Gegend hier herum schien uns nicht so sorgfältig angebaut, wie es gewöhnlich in den Niederlanden der Fall ist; und selbst die Demolition der Festungswerke trug etwas dazu bei, das Bild der Verwüstung greller zu zeichnen. Wenn man sich freuen soll, dass diese unnatürlichen Denkmäler der zügellosen Leidenschaft unserer barbarischen Vorältern endlich als unnütz abgeschaft werden, so muß wenigstens das schöne Schauspiel des Fleißes und der emsigen Betriebsamkeit uns für den angenehmen Eindruck entschädigen, den der Anblick aller großen durch Menschenhände ausgeführten Werke uns gewährt. Lieber lasse man uns die alten Bastionen und Gräben, als diese öden Schutthaufen, welche die Ohnmacht und das Phlegma der Nation so widrig bezeichnen. Diese Eigenschaften drangen sich uns indes in einer noch ungleich verächtlicheren Gestalt auf, als wir in Erwartung unseres Mittagsmahls einen Spaziergang in der Stadt machten und auf dem großen Markt die Freiwilligen exerzieren sahen. Es ist nicht möglich, das Lächerliche dieser grotesken Gruppe mit Worten zu schildern; selbst Hogarths Talent hätte verzweifeln müssen bei dieser trägen, charakterlosen Unordnung. Was ich sah, war eine übelgewählte, buntscheckige, und zum Teil wirklich abenteuerlich gekleidete Wachtparade, aber ohne alle Einheit, ohne diese Anziehungskraft, diesen Geist des Ganzen, der die Bestandteile bindet und zu einem lebendigen Körper beseelt. Man sah augenscheinlich, nicht nur, dass Soldat und Soldat nichts gemein hatten, sondern dass der Mensch, sein Rock und sein Gewehr heterogene Teile waren, die bloß der Zufall zusammengehäuft, nicht das Gesetz der inneren Notwendigkeit zu einer unzertrennlichen Individualität erhoben hatte. Die Offiziere waren so unansehnlich wie die Gemeinen, und trieben ihr Handwerk mit einer Lässigkeit und Lauigkeit, die uns vom Lachen bis zum Unmut brachte. Unter vier bis fünfhundert Menschen sahen wir nicht Einen von ansehnlicher Statur; dagegen eine Menge Knaben von funfzehn Jahren. Der einzige Mensch, der einen Begriff von seiner Pflicht zu haben schien, und folglich der einzige, der diese tote Masse noch ein wenig zu beleben vermochte, war der Regimentstambour.




Share
 © textlog.de 2004 • 19.10.2017 20:13:45 •
Seite zuletzt aktualisiert: 18.11.2007 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright