Ansicht des Hennegaus


Die Einwohner des Hennegaus gefielen uns auf den ersten Blick, zumal die Männer, mit ihren gesunden, festen, muskulösen Gesichtern und der starkgezeichneten Nase und Mund, die wir im Limburgischen schon gesehen hatten, die uns aber in Brabant wieder verschwunden waren. Ihr Charakter ist lebhaft, gutmütig und fest; so lautete das einstimmige Zeugnis des Herzogs und seiner Gesellschaft. Allein woran mag es liegen, dass wir auch in dieser Provinz noch keine schöne Weiber sahen? Überall herrscht die vollkommenste Ruhe, und der Landmann, wie der Städter, läßt sich in der Ausübung seines gewohnten Fleißes nicht stören. Das kleine Städtchen Ath und das noch kleinere Leuze, durch welche wir kamen, handeln mit Leinwand und Wollenzeugen von ihrer eigenen Arbeit. Leinwand ist auch das Hauptprodukt des Städtchens Enghien, wo der Herzog von Aremberg, wie er uns selbst erzählte, von jeder Elle Leinwand, die dort verkauft wird, eine Abgabe erhebt, die in einem halben gigot, das ist, dem Sechzehnteil eines sol, besteht. Diese Abgabe ist für jährliche funfzehnhundert Gulden verpachtet, wobei der Pächter wahrscheinlich noch eben so viel wie der Herzog gewinnt. Nach dieser Berechnung würden aus Enghien allein 960,000 Ellen Leinwand verkauft, welches wirklich übertrieben zu sein scheint. Die Flandrische Leinwand, sowohl die grobe als die feine (toile au lait) wird wenig oder gar nicht kalandert; sie ist fester und dichter als die Schlesische, und geht hauptsächlich nach Spanien. Die Wollenzeuge, die man in Leuze verfertigt, sind meistenteils Kamlotte; auch werden daselbst viele wollene Strümpfe gewebt, und in der umliegenden Gegend von dem fleißigen Landmanne in seinen Nebenstunden gestrickt.




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 © textlog.de 2004 • 16.12.2017 15:48:24 •
Seite zuletzt aktualisiert: 18.11.2007 
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