Bauerngelage


Herr van Lancker besitzt einen sehr schönen Teniers. Wenn die Malerei die magische Kraft hätte, die man ihr wohl eher angedichtet hat, nicht bloß ästhetisch, sondern auch moralisch zu wirken, so möchte man jedem Fürsten den täglichen Anblick dieses Gemäldes wünschen; es sollte ihn erinnern an das Bedürfnis des Volkes, nach vollbrachter Arbeit zu genießen und des Lebens froh zu werden, an den Beruf des Herrschers, den Sinn für Freude zu erwecken und rege zu halten, an die große Erfahrung, dass die Menschen mit leichten Ketten spielen, die schweren aber zerbrechen oder unter ihrer Last hinsinken. Außerdem nähmen sich freilich die Belustigungen der zahlreichsten Klasse des Menschengeschlechts im Leben besser aus als auf der Leinwand, wenn der Künstler (wie es hier der Fall ist) nur Karrikaturen einer tölpischen Fröhlichkeit schaffen kann. – Ostadens Bauern sind noch plumper, noch grotesker ungeschickt, als die von Teniers; in einem von seinen Gemälden zeigte man uns sogar, als etwas Verdienstliches, eine kleine menschenähnliche Figur im Hintergrunde, die, ihrer Unförmlichkeit ungeachtet, den Kennern ihren Urheber verrät.

Das vorhin erwähnte Weib mit der Weinflasche soll nicht den zehnten Teil so viel wert sein, als hier der eingeschlafene Leiermann von demselben Meister. Er schläft so fest, so süß über seinem Instrument, und alles um ihn und an ihm ist mit ermüdender, ärgerlicher Treue, die nicht des kleinsten Striches vergißt, nicht mit englischer, sondern was zum Glück etwas anderes bedeutet, mit Holländischer Geduld vollendet. Wer noch mehr von diesem Bild wissen wollte, würde mich in Verlegenheit setzen; denn ich habe Dir in der Tat alles gesagt: es ist ein schlafender Leiermann. In allen Künsten des Schönen bleibt es das unverkennbare Zeichen von Kleinlichkeit des Geistes, wenn ihr Gebilde so beschaffen ist, dass die Phantasie nichts mehr hinzusetzen, nichts weiter darin suchen und ahnden, ihr luftiges Spiel damit nicht treiben kann. Ich beneide den ehrlichen Franz Miris nur um seine Zeit.

Was mag man wohl zu loben finden an diesen kleinen nackten Figürchen von Poelenburg, mit ihren eckigen, breiten Schatten, ihren bunten Gewändern und der toten Kälte, womit sie die uninteressantesten Handlungen begehen, sich baden oder nach dem Bade sich ankleiden? Ich habe so wenig mit ihnen zu schaffen, wie mit dieser Magdalene von Paul Veronese, deren Echtheit ich nicht untersuchen will, weil sie der Untersuchung nicht wert ist. Lieber betrachte ich daneben das schöne Porträt von van Dyks vortreflicher Arbeit; Du weißt, welch ein Lob dieser Name einem Porträt geben kann.




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 © textlog.de 2004 • 18.10.2017 09:44:00 •
Seite zuletzt aktualisiert: 17.11.2007 
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