Bataillenstücke


Diese Sammlung enthält auch einen unvergleichlich schönen Wouwermanns, den ich aber nicht mit der ekstatischen Bewunderung ansehen kann, die ihm der Kenner zollen mag. Ist das Getümmel einer Schlacht, das Gewühl der Kämpfenden durch einander, der Anblick entseelter Leichname, sind die unbändigen Rosse, die durch den Dampf des Geschützes hervorstürzen – sind diese gewaltigen Bilder nicht fähig, die Einbildungskraft zu spannen und ihr den schauervollen Gegenstand, der dem Künstler vorschwebte, zu vergegenwärtigen? Dies alles gebe ich zu, und dennoch, auf die Gefahr der Verwöhnung beschuldigt zu werden, verweile ich mich bei keinem Kunstwerk, das nur Verwirrung schildert. Was soll ich denn in diesem Gedränge? Für wen wird hier gestritten? Wer ist der Sieger und wessen die fliehende Fahne? Eine Schlacht kann uns interessieren, wenn wir um ihre Veranlassung wissen, wenn wir der einen Partei den Sieg wünschen, oder wenn sich etwas dabei ereignet hat, was mitten in dem unmenschlichsten Geschäft an edlere Empfindungen, an die bessere Seele im Menschen, erinnert. Daher wählen alle große Meister, wenn sie eine Schlacht vorstellen sollen, eine historische Episode, wodurch sie sich von andern unterscheiden läßt, und, was noch wichtiger ist, wodurch sie den Zuschauer in Anspruch nehmen kann. Ohne diese Charakteristik ist die Schilderung des wilden Gemetzels so uninteressant wie ein Zeitungsartikel, und ich sehe nicht ein, warum die Künstler mehr als andere Leute gegen die Konventionen der guten Gesellschaft sollen verstoßen dürfen. Dem wahren, schöpferischen Geiste gnügt es nicht, alles bilden zu können, was ihm einfällt; er will darstellen, was Anderen zu denken gibt und womit sich ihre Phantasie vorzugsweise beschäftigt. Könnte man doch auch unseren Dichterlingen so etwas begreiflich machen!




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 © textlog.de 2004 • 21.10.2017 12:33:57 •
Seite zuletzt aktualisiert: 17.11.2007 
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