Botanischer Garten zu Oxford


Der Garten enthält fünf acres. Henry d'Anvers Earl of Darby kaufte den Grund von dem Magdalen-College, und schenkte ihn der Universität. Das Tor am Eingang, von Inigo Jones gebaut, ist mit den Statuen Karls des Ersten, Karls des Zweiten, und des Grafen von Darby geziert. Dillenius, der von Gießen berufen wurde, Scheuchzer, der erste, der vor Leers Gräser kannte, Sherard, der sich lange in Smyrna aufhielt, waren Aufseher dieses Gartens. Dr. Sherard, aus dessen Stiftung der Prof. Botanices ein Gehalt bekommt, führte ein eignes Gebäude im Garten auf; der geräumige Saal darin dient zur Büchersammlung, zu den Herbarien, und zu den öffentlichen Demonstrationen. Die Büchersammlung ist wahrscheinlich die vollständigste in Europa. Am reichsten ist sie an ältern Schriften, die Sherard aufs mühsamste bis zum Jahre 1726 sammelte. An neuern Schriftstellern wird sie bis jetzt noch von der Banksischen Bibliothek übertroffen; doch hat Professor Sibthorpe (of Lincoln College) auch diesem Mangel abzuhelfen gesucht. Rudbeck's campi Elisii sind vollständig hier; sie existieren außerdem nur in Upsal und bei Sir Joseph Banks, alle andere Exemplare sind verbrannt. Die Orchis, Serapias, und Irisarten sind in Holzschnitten vortrefflich darin abgebildet.

Eine Sammlung ausgemalter Zeichungen von Japanischen Pflanzen ist überaus sauber, und ohne Vergleich deutlicher als die oft zitierte Sudelei von Menzel, die man Flora Japanica nennt. Ein Japanese, der nach Oxford kam, hat mehrere dieser Pflanzen benannt.

Etliche Volumina Indischer Pflanzenzeichnungen, die Boerhave kaufte, und die noch ungestochen sind.

Herbaria. Das von Dillenius, aus dem viele Pflanzen durch Raub in die Heinische Sammlung kamen. Originalzeichnungen von Dillenius zum hortus Eltamensis, zur historia muscorum, ebenfalls noch ungestochen. Sammlung von Kryptogamisten, aufgeklebt, eben so wie sie in der historia muscorum gestochen sind. – Herbarium von Sherard, nebst dem Banksischen und Linnéischen wohl das erste in der Welt. Als Dr. Sherard Konsul zu Smyrna war, schickte er junge Leute durch den ganzen Orient, um Pflanzen zu sammeln; auch vergrößerte er seine Sammlung ansehnlich durch Ankauf aller Dubletten aus dem Tournefortschen Herbarium, und durch Geschenke. Sir Joseph Banks erstaunte, als er von der Südsee zurückkam, hier Pflanzen aus Neuholland zu finden. Sie waren von Dampier hierher geschenkt. Dr. Sibthorpe ist damit beschäftigt, das große Sherardische Herbarium nach dem Linnéischen System zu ordnen. Es enthält auch viele Pflanzen von Vaillant, Bocconi, und Micheli Fiorentino. – Herbaria von Morison und Scheuchzer.

Der botanische Garten enthält einzelne Seltenheiten; im Ganzen aber weder eine solche Varietät von Pflanzen, als der Göttinger oder Salzwedelsche, noch so alte und prächtige Exemplare, als der Berliner oder Amsterdamer. Eine große Zierde dieses Gartens ist die vollständige Sammlung inländischer Englischer Gewächse, welche auf einem eigenen Quartiere kultiviert werden. Mehr Grasarten sind wohl kaum in Erlangen zu finden, als hier. Zwei Gewächshäuser, größer als die Göttinger, aber ohne Vergleich kleiner als die Berliner. Eine neue Grasart, deren Blätter wie Zitronen riechen, vermutlich eine Agrostis, hat nie geblühet. Aus dem Archipelagus hat Sibthorpe viele neue Spezies gebracht, neue Hesperis, Thymus, Verbascum, Campanula, neue Gräser – alle wohlriechend. Nachdem er den größten Teil von Spanien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz durchreist war, ging er mit Bauer (dessen Bruder mit dem jungen Jacquin nach London zu Banks kam) von Wien nach Neapel; von Neapel im Sommer auf einem Englischen Schiffe nach dem Archipelagus. Dort schifften sie mit einem kleinen Boote, das von fünf Mann gerudert wurde, von einer Insel zur andern. Sie besuchten den Peloponnes, einen kleinen Teil von Mazedonien (wegen der Unsicherheit), Negropont, Rhodus, Cephalonia, das dürre Zypern u.s.w. und Candia, die pflanzenreichste Gegend im Ionischen Meere. Den Winter brachten sie in Pera zu, wo ihnen Hawkins nachkam; und den zweiten Sommer gingen sie mit Hawkins und einem Englischen Kapitain auf einem Venetianischen Schiffe wieder nach den Griechischen Inseln und Klein-Asien. Im Herbst kehrten sie über Italien zurück. Morina Persica bedeckt den ganzen Parnaß. Der Helleborus der Alten ist eine neue Spezies, ein Mittelding zwischen Helleborus niger und viridis; doch dem letzteren näher. Arbutus Andrachne ist es, dessen Dioscorides erwähnt, nicht Arbutus Unedo, wie die Kommentatoren glauben. Es ist der gemeinste, aber wegen seiner glatten, vielfarbigen Rinde, auch der schönste Baum auf den Griechischen Inseln. Weder Dianthus caryophyllus, noch Rosa centifolia, fand Sibthorpe irgendwo wild, wohl aber den seltenen, und über alle Beschreibung prächtigen Dianthus fruticosus und Dianthus arboreus. Bei Paros, an einem Tempel, fand Sibthorpe noch denselben Laurus nobilis, den Pausanias beschreibt. Überhaupt wird Sibthorpe an 500 neue Spezies aus dem Griechischen Meere herausgeben. Zeichnungen brachte er gegen 1000 mit.

Lizari ist korrumpiert von Rizari, schlechtweg die Wurzel, wegen der Wichtigkeit der Pflanze. Diese wahre Rubia tinctorum fand Sibthorpe noch eben da in der Gegend von Athen, wo Dioscorides ihre Kultur beschreibt. – Ein Grieche versicherte Sibthorpe'n im Archipelagus, dass der obere Teil der Euphorbia Apios Erbrechen, der untere Durchfall verursache. Das große Specimen von Myrtus Pimenta im Oxfordischen Garten hat folia decussata opposita. Die Türken essen die Frucht vom Prunus Laurocerasus. Sibthorpe selbst konnte nicht ausfindig machen, welche Gattung von Papaver das Opium gibt. Es scheint ihm Papaver orientale zu sein. Er zeigte Ladanum vor, das er selbst vom Cistus creticus gesammelt; auch echtes Balsamum Meccae, das dem Englischen Gesandten aus dem Serail geschenkt war. Sibthorpe glaubt, es komme von Amyris Opobalsamum: eine Fabel, die ja schon Gleditsch widerlegt hat.

Der botanische Kursus in Oxford dauert nur sechs Wochen.




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 © textlog.de 2004 • 17.10.2017 02:19:24 •
Seite zuletzt aktualisiert: 16.11.2007 
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