1. Benschs Grab


Salz- und Schiffahrtsdirektor Bensch (siehe Seite 321), der eigentliche Schöpfer, der erst später, 1865, zum »Rittergute Düppel« erhobenen Kolonie Neu- Zehlendorf, hing an dieser seiner Schöpfung derart, daß er, trotzdem er sich 1856 derselben entäußerte, doch auf ihr begraben sein wollte. Das geschah dann auch und zwar in unmittelbarer Nähe von Dreilinden.

Benschs Grab, wie im Volksmunde die Stelle heißt, ist nicht bloß ein Grab, sondern ein Friedhof und besteht aus zwei mitten im Walde gezogenen Kreisen, einem weiteren Laubholz- und einem engeren Nadelholzkreis, in dessen Mittelpunkte sich ein holzumgittertes, großes und von einem alten Lindenbaum überschattetes Familiengrab befindet. Alles von Efeu dicht überwachsen und voll jenes eigentümlichen Zaubers, den immer nur die Begräbnisplätze haben, die sich von aller Kunst fernzuhalten und sich statt dessen an die Natur möglichst eng anzuschließen wissen. Es hat das allertiefste Zusammenhänge mit dem »Wieder zu Erde werden«, ein natürlicher Prozeß, den wir so wenig wie möglich gestört sehen wollen. Die mehr oder minder zwangvoll herangezogene künstlerische Betätigung, die, je nachdem, ins Museum oder in die Kapelle gehört, wird draußen wie Disharmonie. Keine gegossenen Kreuze, mit dem Schmetterling oder dem Engel mit der gesenkten Fackel darauf, haben mich je so tief bewegt, wie die Feldsteingräber in Jütland und Schleswig, oder hier dies unter Bäumen geborgene »Benschsche Grab«. Unvergeßne Stunde, die mich in seine mystisch gezogenen Kreise führte! Die Dämmerung war gekommen, eine Himbeerhecke duftete, tiefer im Walde schlugen die Nachtigallen und die Mondessichel (ein Ring, eine Linie nur) stand hoch über uns im Blauen.




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 © textlog.de 2004 • 21.10.2017 08:54:27 •
Seite zuletzt aktualisiert: 12.11.2007 
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