IV. Über den Sinai


1. und 2. Februar. Aufenthalt im Hotel Shepeard in Kairo. Der Herzog von Sutherland war Mitbewohner des Hotels. Lord Napier of Magdala wurde erwartet.

3. Februar. Aufbruch nach der Sinai-Halbinsel. Achtstündige Eisenbahnfahrt von Kairo über Ismaila nach Suez. Ankunft acht Uhr abends. Hier wartete schon das mittlerweile von Alexandrien nach Suez dirigierte, dem Prinzen für seinen Aufenthalt im Orient zur Verfügung gestellte Kanonenboot »Cyklop«, Kapitänleutnant Kelch, und nahm den Prinzen und seine Begleitung an Bord.

4. Februar. Aufbruch nach dem Hafenort Tôr am Fuße des freilich erst in drei Tagereisen zu erreichenden Sinaiklosters.

5. Februar. Hier, in Tôr, fand man auch die von Suez her auf dem Landwege vorausgeschickten Kamele, die bestimmt waren, den Prinzen und seine Begleitung erst auf den Sinai hinauf und dann, von seiner Höhe herab, nach Suez (nicht nach Tôr) zurückzutragen. Ausflug nach dem »Mosesbade«. Schlechte Nacht; durch Ratten und Glockengebimmel gestört.

6. Februar. Aufbruch auf vierzig Kamelen und in Begleitung befreundeter Beduinen. Beschwerden des Kamelritts. Um fünf Uhr beginnt die Steigung und das Wadi Hebrân öffnet sein Felsentor.

7. Februar. Fortsetzung des Aufstiegs.

8. Februar. Desgleichen. Nach Passierung eines Felsentors Eintritt in eine von mächtigen Gebirgszügen eingefaßte Hochebene. Im Hintergrunde der Sinai. Gegen Abend wird das Sinaikloster erreicht. Erst in die Kapelle, dann Bewirtung im Zimmer des Archimandriten.

9. Februar. Der Prinz bleibt einen Tag im Kloster, um in der Umgegend desselben nach dem sinaitischen Steinbock zu jagen. Leider erfolglos. Bei der Rückkehr von der Jagd wird ihm das Sinai-Fremdenbuch vorgelegt, in das er seinen Namen einschreibt. Der Name vor ihm war: Edward Henry Palmer.

Edward Henry Palmer, geb. 1840 zu Cambridge, ausgezeichneter Orientalist, nahm 1868 und 1869 teil an der zur Erforschung des Sinaigebietes entsendeten englischen Expedition Bald nach seiner Rückkehr nach England wurde er an der Cambridger Universität zum Professor des Arabischen ernannt. 1882 übernahm er im Auftrage der englischen Regierung eine geheime Mission in die Wüste östlich vom Suezkanal, mit dem Zwecke, die dort hausenden Beduinenstämme bei dem bevorstehenden Kriege in Ägypten (gegen Arabi-Bey) für England zu gewinnen. Seine Bemühungen wurden auch anfangs von Erfolg gekrönt, bis er einer Anzahl Beduinen, die zu den Anhängern Arabi-Bey's gehörten, in die Hände fiel. Diese schleppten ihn und seine zwei Begleiter in die Felsschlucht am Gebel Bischr und forderten hier alle Drei auf, sich von der Höhe des Felsens in die Schlucht zu stürzen. Palmer und einer seiner englischen Gefährten gehorchten, der andere zog es vor, sich eine Kugel durch den Kopf zu jagen. Dies Ereignis lag erst um drei Monate zurück und die Sinaireise des Prinzen war deshalb als gefahrvoll angesehen und von verschiedenen Seiten her abgeraten worden.

10. Februar. Abstieg vom Sinai.

11. Februar. Desgleichen. Um 5 Uhr wird das Lager angesichts des »Serbâl« aufgeschlagen, in dem einige Forscher den biblischen Sinai vermuten. Beim Lagerfeuer beginnt man aus der Bibel vorzulesen und zwar die Stelle, wo der diesen Teil des Sinai berührende Zug der Juden beschrieben wird.

12. Februar. Der Abstieg wird fortgesetzt. Man passiert das Wadi Maghârah. An den Felswänden Bilder und Inschriften;54 die ältesten aus der Zeit der dritten Dynastie.

»Diese Inschriften sind von großer geschichtlicher Bedeutung; sie zeigen uns die ältesten Könige der ägyptischen Geschichte: Senofru (3. Dynastie), Cheops, Erbauer der großen Pyramide von Gizeh (4. Dynastie) und nach ihnen die Pharaonen der 5. und 6. Dynastie bis auf den langlebigen König Pepi I. als Überwinder der ältesten Bewohner der Sinai-Halbinsel«.

13. Februar. Weiterer Abstieg. Der »Paß der Schwertspitze« wird passiert. Zuletzt ein Felsentor und das Meer liegt zu Füßen. Am 13. abends wird das Meer erreicht.

14. Februar. Erst Marsch am Meer. Dann, landeinwärts biegend, durch Wüsteneien auf Suez zu.

15. und 16. Februar. Weitermarsch im Flachland. Am 16. wird Suez erreicht. Hier schließt sich der inzwischen von Berlin aus mit Briefen und Meldungen eingetroffene Rittmeister Baron Maltzahn, erster Adjutant des Prinzen, dem Reisezuge an. Der Prinz geht an Bord des »Cyklop«.

17. Februar. Fahrt auf dem Suezkanal von Suez nach Ismaila und Port Saïd.

18. Februar. Fahrt von Port Saïd nach Jaffa.

19. Februar. Fortsetzung der Fahrt. Um vier Uhr Ankunft auf der Reede von Jaffa. Zwei höhere türkische Offiziere, Adjutanten des Großherrn von Stambul, Oberst Achmed Bey und Major Ismael Bey, stellen sich dem Prinzen vor und sprechen ihm in geläufigstem Französisch die Bitte des Großherrn aus, »daß er (der Prinz) geruhen wolle, die Gastfreundschaft Sr. Majestät, während seines Aufenthaltes auf dem Gebiete des türkischen Reiches, huldvollst anzunehmen. Alles stände zum sofortigen Aufbruch nach Jerusalem bereit und S. K. H. habe nur die Befehle zu geben.«55

Die Weiterreise von Jaffa nach Jerusalem erfolgt zu Wagen, in Begleitung türkischer Leibgendarmerie. Unterwegs sieht sich der Prinz von einer Gruppe Reiter überholt, die sich ihm als württembergische Templer, ansässig in Palästina, vorstellen und um die Ehre bitten, ihm auch ihrerseits bis Jerusalem das Geleit geben zu dürfen. Der Prinz lehnt es aber dankend ab, unter Hinweis auf seine türkische Begleitung.

20. Februar. Der Prinz trifft vor Jerusalem ein.




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