Friedrichsfelde bis 1700


Friedrichsfelde war bis zum Jahre 1700 gar kein Friedrichsfelde, sondern führte statt dessen den poetischen, an Idyll und Schäferspiele mahnenden Namen Rosenfelde. Und doch griff dieser Name bis auf Zeiten zurück (erstes Vorkommen 1288), wo hierlandes an alles andere eher gedacht wurde, als an Schäferspiele. Kaum Schäfer mocht' es damals geben.

1319, im letzten Regierungsjahre des Markgrafen Waldemar, wurden die Ratmannen von Berlin und Cölln die Herren des schon damals ansehnlichen Besitzes und beinahe drei Jahrhunderte lang trug es die alte Patrizierfamilie der Rykes von den Ratmannen zu Lehn. 1590, so scheint es, wurde das Gut dann landesherrlich, wenigstens zu größrem Teile, bis es unter dem Großen Kurfürsten in den Besitz Joachim Ernst von Grumbkows 7) und 1695 in den Benjamin Raules kam.

Benjamin Raule – ein Holländer von Geburt, Generaldirektor des Seewesens, dessen Name in »Raules Hof«, wo sich die Admiralität damals befand, bis auf den heutigen Tag fortlebt-verblieb nur wenige Jahre im Besitz von Rosenfelde. So kurz diese Zeit war, so war sie doch ausreichend, um dem herrschaftlichen Gut im wesentlichen die Ausdehnung und Anlage zu geben, die dasselbe noch heute zeigt. Bis dahin hatte Rosenfelde ein Jagdschloß gehabt, wahrscheinlich aus der Joachimschen Zeit. Dies überließ Raule seinem Schicksale, baute statt dessen ein Lusthaus, einen Sommerpavillon, an derselben Stelle, wo jetzt das Schloß steht, und ließ durch holländische Gartenkünstler den jetzigen Park 8) anlegen. Raule war sehr reich. Er bewirtete verschiedentlich den Kurfürsten samt seinem ganzen Hof im Rosenfelder Lustschloß, und der Poet von Canitz konnte damals singen:

 

Der Kurfürst und was fürstlich heißt,

Haben jüngst beim Raule gespeist

Mittags zu Rosenfelde.

 

Aber Glück und Ehre waren von kurzer Dauer. Raule, wie so viele Personen aus der Regierungszeit Friedrichs III., wurde der Unterschlagung bezichtet und fiel in Ungnade, während man seinen Besitz konfiszierte.

Rosenfelde war nun landesherrlich. Zwei Jahre später (1700) wechselte es den Namen und wurde Friedrichsfelde.

 

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7) Joachim Ernst v. Grumbkow starb in der Nähe von Wesel (im Reisewagen) auf einer Reise des Hofes nach Cleve, am zweiten Weihnachtsfeiertage 1690. Der Hofpoet Besser sprach in seinem an die Witwe gerichteten Trauergedicht »von dem zwar nicht seligen, aber doch sanften Tod« des Hingeschiedenen. Grumbkow hatte nämlich am Abend vorher zu viel getrunken. Pöllnitz in seinen Memoiren sagt von ihm: »Er liebte die großen Unternehmungen und war kühn in ihrer Ausführung. Man würde seinen Charakter großartig haben nennen können, wenn ihm die Beförderung seiner Familie weniger am Herzen gelegen hätte, für die er große Schätze mit Leichtigkeit zusammenhäufte. Man fand ihn eines Tages tot in seinem Wagen, als er von einem Fest in der Nähe von Wesel zurückkehrte, wo der Wein nicht gespart worden war.« – Wohin man seine Leiche schaffte, oder ob er in Wesel selbst beigesetzt wurde, hab ich nicht erfahren können. In dem intendierten Erbbegräbnis der Grumbkows zu Blankenfelde, anderthalb Meilen von Berlin, steht er nicht. In der Kirche letztgenannten Dorfes, die, wie eine lateinische Inschrift über der Kirchtür angibt, von v. Grumbkow erbaut wurde, befindet sich eine schon bei Lebzeiten desselben ausgemauerte Gruft und ein großer Grabstein darüber. Die Inschrift dieses Grabsteins lautet: »Erbbegräbnis des Wohlgebornen H. H. Joachim Ernst's v. Grumbkow, Sr. churfürstlichen Durchlaucht zu Brandenburg höchst ansehnlichen, wirklichen Geheimen Etats- und Kriegs-Raths, Oberhof-Marschalls, General-Kriegscommissarii und Schloßhauptmann, Erbherr auf Grumbkow, Runo, Cuno, Darlin, Nieder-Schönhausen, Blankenfelde und Charo.« Hiermit schließt die Inschrift. Der freigelassene Raum zeigt, daß die Daten von Geburt und Tod hier angegeben werden sollten. Dies geschah aber nicht, weil der Bewohner ausblieb.

8) In seinen Anfängen soll derselbe schon 15 Jahre früher vorhanden gewesen sein. – 1672, was hier eine Stelle finden mag, gab es nur elf Parks in der Mark Brandenburg, die nach Beispiel und Vorbild des Großen Kurfürsten und vielleicht auch auf Wunsch desselben angelegt waren. Es waren die folgenden: 1. der Sparrsche zu Prenden, 2. der Dohnasche zu Schönhausen, 3. der Otto von Schwerinsche zu Alt-Landsberg, 4. der Löbensche zu Schenkendorf, 5. der Raban von Cansteinsche zu Lindenberg, 6. der B. von Pöllnitzsche zu Buch, 7. der Caspar von Blumenthalsche zu Stavenow (Priegnitz), 8. der von Götzsche zu Rosenthal, 9. der von Borstellsche zu Hohen-Finow, 10. der Heydekampsche zu Rudow und 11. der Franz von Meinderssche zu Berlin, vor dem (damaligen) Stralauer Tore.




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Seite zuletzt aktualisiert: 11.11.2007 
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