I. Bilder

Eingerahmt und alle in Sepia


1. Kloster oberhalb Subiaco im Sabinergebirge.

2. Kloster San Cosimato unweit Tivoli, an welcher Stelle der heilige Benedikt längere Zeit lebte, ehe er das erste Kloster auf Monte Cassino erbaute.

3. Die Kirche der heiligen Constantia (früher Bacchustempel) vor der Porta Pia in Rom.

4. Ein Teil des alten Schlosses zu Mansfeld, der »Mittelort« genannt, in welchem Martin Luther kurz vor seinem Tode die gräflich Mansfeldsche Familie zur Eintracht ermahnte und Frieden stiftete.

5. Ein Blick vom südwestlichen Abhange des Schloßberges zu Wernigerode auf den Kirchhof und die Sankt Theobalds-Kirche zu Nöschenrode. Das älteste Kirchlein im Harzgebirge; Sankt Theobald eines Köhlers Sohn.

6. Die Bäder von Gastein im Salzburgischen.

Dies letztgenannte ist das Hauptbild, größer als die andern, und mit besondrer Liebe ausgeführt. Ich glaube, daß es auch jetzt noch vor Künstleraugen bestehen kann. Es war zum 10. Oktober 1831 als Geburtstagsgeschenk für den alten Jordan bestimmt, leider aber nur halb fertig geworden. Um diesen unfertigen Zustand zu entschuldigen, begleitete er das Bild mit einem Gedichte, das folgendermaßen lautete:

 

Der Kritiker.

 

Nun das ist wahr, mein Herr Rösèll,

Ihre Zeichnung ist wirklich höchst originell,

Man möchte schwören 's wär leeres Papier,

So schrecklich klar ist Ihre Manier.

Solch Angebinde kein Kind begehrt,

Am wenigsten ist es den Rahmen wert.

 

Der Zeichner.

 

Geb' zu, Sie treiben mich in die Eng',

Aber sind doch viel zu streng.

Diese Zeichnung erkennen bloß Kinder des Lichts,

Sie sind aber keins, drum sehen Sie nichts.

Ich lass' Ihnen noch acht Tage Ruh,

Dann sehn Sie mal wieder nach oder zu.

 

Der Kritiker.

 

Nun merk' ich, wie's zusammenhängt:

So geht es, wenn man zu spät anfängt.

 

Diese Verse sind auf die Rückseite geklebt, passen aber insoweit nicht mehr, als das Bild jetzt in allen Stücken fertig ist.

Außer diesen eingerahmten Bildern besitzt die Familie Zimmermann noch eine ganze Anzahl von Zeichnungen, die als Vorlegeblätter benutzt werden. Wenn mich nicht alles täuscht, stehen sie, in ihrer saubren Einfachheit, künstlerisch höher, als die sorglich ausgeführten großen Landschaften.

Hierher gehört auch ein Kästchen, auf dessen Deckel er eine kleine Niedlichkeit gezeichnet hat. Dies Kästchen, als er es schenkte, war von folgenden vier Zeilen begleitet:

 

Hölzern ist die Gabe

Und leer im Innern; drum habe

Den Inhalt ich mit gutem Bedacht

Gleich von außen angebracht.




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 © textlog.de 2004 • 13.12.2017 04:51:00 •
Seite zuletzt aktualisiert: 25.10.2007 
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