Der Anlaß


Was ist mein Anlaß? Nichts, ein Schein,

wie es sich anläßt insgemein.

Ich lass' es leicht an mich heran,

doch lass' ich es an mir nicht an.

Hart lass' ich's an, wenn's nicht will weichen,

dringt mir ins Leben so ein Zeichen.

Doch jeder Tonfall, jede Miene,

es läßt mich an, mich, die Maschine

und meine Kraft erliegt dem Reize

des Irgendwas, womit ich heize.

Und wie den Stahl zu seiner Hitze

läßt es mich an zu Wut und Witze.

Am Staubgefäß fass' ich die Pflanze

und setze kühn den Teil fürs Ganze –

kein Anteil an dem Werk gebührt

dem Anlaß, der's herbeigeführt.

So jedem Anstoß ausgesetzt,

stoß' ich von innen doch zuletzt.

Wie wehrlos schein' ich, wenn ich meine,

daß mir die Welt im Schein erscheine.

Deckt diesen sie mir endlich zu

und hab' ich vor dem Anlaß Ruh,

so steht zu ihrem, meinem Heil

das Ganze wieder für den Teil.

Viel leichter wird's, die Welt zu fassen,

will sie mich an mich selber lassen!


 © textlog.de 2004 • 13.12.2017 06:37:43 •
Seite zuletzt aktualisiert: 18.09.2007 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright Die Fackel: » 1899-1909 » 1910-1919 » 1920-1929 » 1930-1936