Weitere Berührungspunkte zwischen Genie und Irrsinn


Mit diesen beiden Gruppen, der halluzinatorischen und psycho-epileptischen genialer Menschen, sind die Berührungspunkte zwischen Genie und Irrsinn noch nicht erschöpft. Eine nicht geringe Anzahl von Genies verfiel später, und anscheinend ohne eigentlichen Zusammenhang mit ihrem geistigen Produzieren, definitiv der Geisteskrankheit. Unter anderen: Hölderlin, Zimmermann, der bekannte Verfasser von »Über die Einsamkeit«; Lenau; Lenz, der Zeitgenosse und Gefährte Goethe's; Ben Johnson, der Zeitgenosse Shakespeare's; Schuhmann; Donizetti; Newton, der sich in den letzten Jahren seines Lebens von allen mathematischen Untersuchungen abwandte, und ein mystisch-verworrenes Werk über die Apokalypse schrieb; Swift, der nebenbei gesagt, Jahrzehnte voraus seine geistige Erkrankung angekündigt; Basedow, der bekannte Pädagoge des vorigen Jahrhunderts, der zuletzt alle seine Schriften vertilgte, in der Meinung, Gott damit beleidigt zu haben; Swedenborg; und sogar Kant. — Nicht geringer ist die Zahl der zwischen hinein geistig erkrankten genialen Menschen, die später wieder gesundeten: Tasso; George Sand, Cromwell; Alfieri, der jedes Frühjahr eine melancholische Periode durchmachte, welcher dann im Herbst eine Zeit schöpferischer Tatkraft folgte; Schiller, der in Bauerbach in seinem 22. Lebensjahr eine komplete melancholische Phase absolvierte und einen fremden Namen annahm; (genau das gleiche hatte Descartes ohne jeden sichtbaren Grund längere Zeit in Holland getan); Ampère, der einen Traktat »Über die Zukunft der Chemie« verbrannte, in der Meinung, der Teufel habe ihm denselben eingegeben: Gutzkow, Comte, der französische Philosoph, der zwei Jahre in einer Irrenanstalt untergebracht war, und dann, entlassen, sein berühmtes Werk über den Positivismus schrieb. — Andere geniale Männer wie Beethoven, Grabbe, Byron, Richard Wagner wurden in wissenschaftlicher wie populärer Form für verrückt erklärt, ohne daß sie es waren. —



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Seite zuletzt aktualisiert: 06.09.2007 
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