Oktober 1908


Harden-Lexikon


In der Reihe der Übersetzungen, durch die man die Meisterwerke der fremdsprachigen Literatur dem deutschen Leserpublikum zugänglich zu machen sucht, hat bis heute eine verständnisvolle Bearbeitung der Prosa Maximilian Hardens gefehlt. Immer war es nur ein kleiner Kreis von Liebhabern, der die Arbeiten dieses interessanten Schriftstellers, der wie kein zweiter den Ziergarten einer tropischen Kultur von Stilblüten und Lesefrüchten gepflegt hat, durchaus zu genießen imstande war. Die Schwierigkeiten des sprachlichen Erfassens mußten sich hier um so schmerzlicher fühlbar machen, je populärer die Gegenstände wurden, die unserem Autor am Herzen liegen, und je weiter sich das Gebiet eines vielseitigen Wissens auszudehnen begann, dem heute, wie man ohne Übertreibung behaupten kann, zwischen der Homosexualität und der Luftschiffahrt nichts Menschliches fremd ist. Die Erkenntnis, daß heutigen Tages jeder, der nur deutsch schreiben kann, seinen Zulauf findet, während hier eine wahre Fülle geistiger Schätze ungehoben liegen muß, brachte mich zu dem Entschlusse, ein Lexikon anzulegen, das deutschen Lesern als ein Führer auf den verschlungenen Pfaden einer Prosa dienen soll, deren Schönheiten sie bis heute gewiß öfter geahnt als genossen haben. Es ist hohe Zeit, daß solche, die von der geistigen und kulturellen Potenz des Autors bisher nur überzeugt waren, sich von ihr auch angeheimelt fühlen. Gerne wird man mir eine Nachsicht gewähren, die einem Versuche auf unerforschtem Gebiet unter allen Umständen zugute kommen muß. In der Übersetzungsprobe, die ich gebe, dürfen selbst Lücken nicht allzu rigoros beurteilt werden. Mancher Stelle konnte ich nur mit einiger Freiheit der Auffassung beikommen; manche blieb unübersetzbar. Vorweg aber möchte ich die Verantwortung für die Möglichkeit ablehnen, daß hier und dort mit der Fremdartigkeit einer Wendung auch deren künstlerische Schönheit genommen wäre. Eine Übersetzung aus dieser Sprache wird wohl ihren Zweck erfüllt haben, wenn es ihr, selbst unter Preisgabe des dichterischen Momentes, gelungen ist, den Sinn der Darstellung für das Verständnis zu retten. Daß meine Übersetzung die in Deutschland einzig autorisierte ist, brauche ich wohl nicht erst hervorzuheben.


Der Fahrenheidzögling

  

Eulenburg

Der Adlerritter

  

Eulenburg

Der von den alten Feinden aus der Holzpapierwelt plötzlich Gehätschelte

  

Eulenburg, für den sich plötzlich die Presse wieder einsetzt

Die Legende der Grotta Azzurra

  

Die Gerüchte über Krupp

Ein Thronender

  

Ein Monarch

Der brave Bill

  

Shakespeare

Der wilde Georg

  

Riedel

Er hat auf einem Bau gefront

  

Er war Bauarbeiter

Der Stank verfliegt schnell

  

Das Gerücht erweist sich als haltlos

Wer dem verführten Mädchen aus voller Kasse des Lebens Notdurft bezahlt

  

Der Aushälter

Noch wissen zwei zum Wahrspruch berufene Männer nicht, was in der Isarau geschehen ist

  

Zwei Geschworenen scheint die Starnberger Geschichte noch immer nicht glaubhaft

Eine, die sich dem Herd verlobt hat

  

Eine Hausfrau

Sie küßt ihn, dem Angstschweiß die Haarwurzeln feuchtet, mit heißer Lippe rasch, wie einst, aufs Ohr, während der Eheherr Zigarren aus dem Rauchzimmer holt

  

Charakterbild einer Buhlerin

Der Klavierträger Schömmer, den ein Herrn Phili eng befreundeter Graf in einem starnberger Hotel zu Homosexualbefriedigung verführt hat und der durchs Guckloch einer verschlossenen Tür die beiden Grafen dann gepaart sah

  

Ein Kampfgenosse des Herrn Harden

Als er den Diener Dandl ans Bein faßte

  

Datum in der preußischen Geschichte

Der verirrte Geschlechtstrieb scheut so ängstlich das Licht, daß selbst in die Polizeiakten meist nur Gerüchte sickern

  

Alles menschliche Wissen ist begrenzt

Der schwache Widerhall seines Leugnens kann die dröhnende Stimme der Wahrheit nicht übertönen

  

Er hat den Diener Dandl doch ans Bein gefaßt!

Niemand hat den Fischermeister bedrängt; der Richter ihm väterlich zugesprochen und Zeit zur Sammlung angeboten; der Anwalt nicht eindringlicher gemahnt, als jeden Tag hundert Ankläger und Verteidiger tun; einmal nur, mit leiser Stimme, ihn aufgefordert, nicht durch Verschweigen des Wesentlichsten sich selbst ins Zuchthaus zu bringen (Seite 169)

Doch Philipp kennt seinen Jakob. Den kranken, schwerhörigen, scheuen Menschen, dem die Zeugenpflicht ein Martyrium ist, der immer noch der so lange angestaunten Macht des Herrn zu erliegen fürchtet und keine Silbe, keine Vorgangsschilderung herausbringt, die nicht mit den Zangen der Inquisition aus seinem dunklen Hirn geholt ward (Seite 170)

  

Der Fischerjackl hat unter Daumschrauben freiwillig die Wahrheit gesagt

Unter dem Heumond

  

Im Juli

Der Phrasenspuk, der so lange schon das Ohr täubt

  

Das Gerede, das so lange schon das Ohr betäubt

Als Bismarck ins Sachsenwaldhaus geschickt war

  

Als Bismarck demissioniert hatte

Den Überbleibseln des Memalik-iOsmani je eine Verfassung gewähren

  

?

Padischahim tschock jascha

  

Vergleiche Polyglott-Kuntze, Türkisch

Der King

  

Eduard VII.

Der liebste Kömmling

  

Der willkommenste Besuch

Er wird in Ischl den Geschäftsführer der austro-ungarischen Monarchie sehen

  

Er wird in Ischl den Kaiser Franz Joseph sehen

Den Makedonenknäuel entwirren

  

Die macedonischen Wirren beenden

Die Scherifenenttäuschung

  

Die Enttäuschung der Türkei

Der Greis, der im Glanz hockt

  

Der Sultan

Menschen, deren Lebensflamme gestern ein Wink seiner müden Hände erlöschen ließ

  

Menschen, die er gestern noch töten lassen konnte

Musulmanen

  

Muselmanen

Abd ul Aziz

  

Abdul Aziz

Abd ul Hamid

  

Abdul Hamid

Abd ul Kerim

  

Abdul Kerim

Der schwache Prasser

  

Der genußsüchtige Schwächling

Die Stadt Konstantins

  

Konstantinopel

Die Osmanenflanke zerstücken

  

Albanien teilen

Der Mähre

  

Philipp Langmann

Der wiener Ungar

  

Schlechtes Kompliment für Herrn Felix Salten, der sich als Zionist lieber einen Pester Juden genannt hörte

Über der Löwenbucht verglüht der fünfte Augusttag

  

Marseille, 5. August

Auf dem Cornicheweg ists leerer als sonst beim Dämmern eines Sommerabends

  

Ich bin zum erstenmal in Marseille, aber so leer wär's noch nie

Das immer hastige Leben der Phokäerstadt scheint in die Herzkammer zurückgedrängt

  

Marseille ist wie ausgestorben

Zwischen der Rue Honorat und der Cannebière regt sichs

  

Meine Lokalkenntnis ist verblüffend

Der Fremde merkt bald, daß im Sinus Gallicus das Blut heute besonders schnell kreist

  

(Unverständliche Stelle, aus der nicht hervorgeht, ob das Blut im Meerbusen oder das Wasser im Busen der Marseiller aufgeregt war)

Die mit Bouillabaisse und Südwein Genährten

  

Die Bewohner von Marseille

Der konstanzer Graf

Graf Ferdinand

Der alte Reitersmann

Ikaros, den eines Gottes Eifersucht empfinden lehrt, daß nur Wachs, in der Sonnennähe zertropfendes, ihm die Flügel an den Rumpf geklebt hat

Der Krieger und Wolkenthronwerber

Der Luftbeherrscher

Der deutsche Graf

  

Verschiedene Bezeichnungen für den Grafen Zeppelin

Die Patres Lana und Guzman ... Die Brüder Montgolfier, Etienne und Michel ... Mémoires sur la machine aérostatique ... Pilâtre de Rozier ... Nach den Erfahrungen der Charlière ergänzt ... Charles aus Beaugency, Pilâtre aus Metz, Blanchard aus dem Departement Eure ... Biot, Gay-Lussac, Sivel, Tissandier, Hermite, Renard, Giffard; bis zu Santos-Dumont und Lebaudy ... Der Fallschirm ... Zigarrenformat ... Starres System ... Halbstarr oder unstarr ... De la Vaulx, Berson und Elias ... Giffard ersann, um die Widerstandsfläche zu verkleinern, das längliche Format und führte den Dampfmotor ein; Dupuy de Lôme das Ballonett; Wölfert den Daimler-Motor; Schwarz die Aluminiumhülle; Renard und Krebs ... Parseval und Groß ... Von André, dem Nordpolsucher, kam uns nie eine Kunde; die Patrie ließ in Irland eine Riesenschraube mit Zubehör fallen; der britische Nulli secundus zerbröckelte über der Paulskathedrale

  

Ich kenn mich in der Luftschiffahrt aus

Unter den Lebenden haben Edison, Koch, Van′t Hoff, Behring, Röntgen und mancher Andere der Menschheit Nützlicheres geleistet. Für die moderne Kriegführung waren die Erfindungen und Kombinationen der Nordenfelt, Zédé, Romazotti, Laubeuf vielleidit wichtiger als eine Erleichterung der Aeronautik

  

Ich kenne mich auch sonst aus

Zeppelins haben unter Fritz, unter Melas bei Marengo und im deutschen Befreiungskrieg mitgefochten

  

Ich weiß überhaupt alles

Man wird im Ballon, statt auf stählernem Gleis über Zossen und Elsterwerda, ins Paradies der Weihnachtstollen reisen

  

Ein Bild der »Zukunft«

Das stürmende Temperament der großen Persönlichkeit sacht ins Schreibstubentempo zügeln

  

Dem Grafen Zeppelin eine Kommission beistellen

Die Summen, die ihm die Flut jetzt ins Schwabenheim geschwemmt hat

  

Die Summen, die dem Grafen Zeppelin jetzt zugeflossen sind

Der Paktolos strömt in den Bodensee

  

Graf Zeppelin bekommt viel Geld

Erwins Kirche

  

Der Straßburger Dom

Wie ein Golfstrom braust es erwärmend durch Aller Herzen, schmilzt die Eisrinde und schält ehrfürchtige Liebe aus dem Kalten Wall

  

(Wahrscheinlich ist hier gemeint, daß man sich irgendwo für die Sache Zeppelins erwärmt hat)

Aus dem Glutstrom, der den Kalten Wall überströmte, ist auch anderer Gehalt zu schöpfen als das Tränensalz, das feuchten Augen die Freude an schönem Tiefblau gewährte

  

(Weiß Gott)

Millionen in den Bodensee werfen, um mit dem Opfer des Hortes, wie der Tyrann von Samos mit seines Ringes, feindliche Gewalten zu schwichtigen

  

Riskieren, daß ein Karpfen im Bodensee mit der Verdauung des Ringes, wie der Leser mit des Genitivs, Schwierigkeiten hat und daß selbst den Rheintöchtern übel wird


Anm. d. Übers.: In den dieser Übersetzung zugrunde liegenden Kapiteln hat der sonst so gewissenhafte Autor leider einige Druckfehler übersehen. Statt »Entwicklungsgang« und »Befreiungskrieg« muß es natürlich heißen: Entwicklunggang und Befreiungkrieg. Erwähnt sei noch, daß den Publikationen des Autors im Original unmittelbar ein Annoncenteil folgt, zu dessen Verständnis das Lexikon nicht herangezogen werden muß, und in welchem zumal jene Annonce einer populären Wirkung sicher ist, die mit den Worten beginnt: Allen, die sich matt und elend fühlen ...

 

Vgl.: Die Fackel, Nr. 261-62, X. Jahr

Wien, 13. Oktober 1908.


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