Tuberkulose

Tuberkulose lat. tuberculum Knötchen, durch den Tuberkelbazillus (T.B.) ROBERT KOCH (1882) hervorgerufene Infektionskrankheit, benannt nach den Tuberkeln, einer infektiösen Granulationsgeschwulst, s. d., die gefaßlos ist, aus LANGHANSschen (THEOD., Pathologe, Bern, 1839 bis 1915) Riesenzellen, Epitheloidzellen mit Lymphozytenwall best. und sehr zur käsigen Umwandlung neigt = besondere und charakteristische Art der Nekrose. Die Tuberkulose gelangt in den erblich belasteten, oder durch Entbehrungen, (reichl. Entbindung) oder Strapazen geschwächten oder durch gesundheitsschädliche Wirkung (Staubinhalation) vorbereiteten Körper durch Einatmung, durch den Magendarmkanal (= "intrakanalikulär") oder durch Haut- und Schleimhautwunden in den Körper und verbreitet sich durch die Lymph- und Blutbahn; Lieblingsstellen nach fallender Skala geordnet: Lungen, Lymphknoten, Darmschleimhaut, Kehlkopf, Niere, Leber, Nebennieren, Knochen, Haut, Zentralnervensystem. RANKE unterschiedliche 3 Stadien der Tuberkulose: 1. Primäraffekt = circumscripter Lungenherd im frühesten Kindesalter. Folge: spez Erkrankung der regionären Lymphknoten (Primärer Organherd + Drüsenaffektion = Primärkomplex). 2. Sekundärstadium: entweder Vergrößerung des primären Lungenherdes oder hämatogene Aussaat der Tuberkelbazillen von den Drüsen aus (Knochen, Gelenke, seröse Häute usw.). 3. Tertiärstadium = isolierte Organtuberkulose (Lunge, Niere usw.). — Auf die schädigende Wirkung der Toxine der Tuberkelbazillen reagiert der Körper charakteristischerweise in zweierlei Form: I. Produktive-proliferative Prozesse = Tuberkelbildung (s. o.). II. Exsudativ entzündliche Prozesse; auch das sich bildende Exsudat verfällt der Verkäsung. — Bei Verschleppung durch die Blutbahn (= hämatogen) entsteht akute Miliartuberkulose, Entwicklung hirsekorngroßer Tuberkeln. Vgl. Lungentuberkulose, Solitärtuberkel, Typhobazillose der Pariser Kliniker. Offene Tuberkulose; (große Gefahr der Mischinfektion!) mit solchem Sitz der Erkrankung, daß Bazillen an die Umgebung abgegeben werden durch Auswurf, Speicheltröpfchen, Tröpfchen-Infektion usw.; Gegensatz: geschlossene Tuberkulose, besser Tuberkulose mit oder ohne Auswurf, Geschwür usw. Tuberkulose Diagnose: Röntgen, Blutbildung, Blutsenkung, Diazoreaktion, Tuberkelbazillen-Färbung öfter vorzunehmen, da besonders bei leichten Fällen die Tuberkelbazillenausscheidung wochenlang ausbleiben kann. (Eventuell Vorbehandlung mit 0,5 % Lösung von wasserfreier Soda nach einer Stunde, dann zentrifugal für 15 Minuten in strömenden Wasserdampf, dann erst auf gut entfetteten Objektträger aufstreichen, dann färben). Am häufigsten angewandt s. ZIEHL-NEELSEN, s. d., Gram-Färbung ebenda Antiformin-Verf. Kurze, homogene Bazillen sprechen für Fortschreiten, granulierte für Besserung. Tuberkulinproben. WASSERMANNsche Tuberkulose-Reaktion unverwertbar, da in 42% Lues ohne Tuberkulose positiv. Ebensowenig Besredka. Auch Flockungs-Reaktion nach DARANYI nicht spezifisch, also nicht beweisend, s. TURBANs Schema der Tuberkulose. Vgl. Lungentuberkulose. — Häufigkeit der Tuberkulose: 25 % aller Menschen gehen daran zugrunde. Prophylaxe größte Bedeutung auf Grund d. Erkenntnis: weniger Vererbung a. Ansteckung i. Kindesalter ist d. Grundl. d. Erkrankung (Aufklärung, Fürsorgestellen, Anstalt, für offene Tuberkulose).


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Seite zuletzt aktualisiert: 19.05.2010 
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