Tierisch


sind die Rundfragen. Was sie im Alter von zwanzig bis fünfundzwanzig werden wollten, sollen die berühmten Leute der 'Zeit' verraten, und sie tuns wirklich. Sogar Thomas Mann geniert sich nicht. Er läßt sich auch durch die Nachbarschaft des Herrn Treumann nicht abhalten. »Ist es nicht das Recht der Jugend, von herrlichen und glänzenden Zielen zu träumen?« fragt die 'Zeit' und anstatt ihr einstimmig mit »Kusch« zu antworten und sie an die herrlichen und glänzenden Millionen zu erinnern, die sie in einem ziellosen Leben vergeudet hat, lassen sie sich mit ihr ein. Der Wunsch des Herrn Treumann war, in Salzburg engagiert zu werden: siehe da, er ward ihm erfüllt, und »wie es weiterging«, setzt er stolzbescheiden hinzu, »wissen viele«. Das Schicksal hat ihm die Gunst gewährt, auch an großstädtischen Bühnen Choristinnen mit Ohrfeigen bedrohen zu dürfen. Wie anders ein Götterliebling namens Kramer. Ursprünglich dem Kaufmannsstand bestimmt und Kommis in einem Exporthaus, wurde er später tatsächlich Bonvivant am Deutschen Volkstheater. »Ich wurde von Ferdinand Kracher unterrichtet, der zu meinem Vater wörtlich sagte: 'Talent hat er, ob etwas aus ihm wird, wissen die Götter'.« Was sagt man? Unglaublich! Später hat sich Direktor Löwe in Breslau bittere Vorwürfe gemacht. Die berühmte Naive Stella Hohenfels schreibt: »Was ich im Alter von 20 bis 25 Jahren, und schon viel früher, habe werden wollen, das bin ich geworden und bin es noch heute. Erfahrungen, die mich zum Abweichen von meiner Laufbahn hätten bringen können, habe ich erst dann gemacht, als ich mein Ziel längst erreicht hatte.« Dagegen hat sich der Freiherr v. Gleichen-Rußwurm weiter keine Pläne entworfen. Nur eines schwebte ihm schon im Alter zwischen 20 bis 25 vor: der Urenkel Schillers zu werden; und er hats erreicht.

 

 

Nr. 324-25, XIII. Jahr

2. Juni 1911.


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