Das Gfrett mit den Dienstboten


Die »Gesellschaft zur Förderung des nationalen Friedens in Österreich« will sich

unter anderen der folgenden Mittel bedienen:

Die Geselligkeit}  
Das Reisenim Dienste der nationalen Annäherung. 
Die Kunst  

.... Dies sind einige von den vielen Mitteln, die uns zunächst und in erster Linie geeignet erscheinen, die nationalen Gegensätze zu mildern und ausgleichen zu helfen.

Last, not least die Kunst... Ich habe einen Freund, der sich ein Magenleiden zuzog, als er die Affiche las: »Die Kunst im Dienste des Kaufmanns«. Er dürfte sich nicht erholen, wenn er erfährt, dass die Kunst jetzt im Dienste der nationalen Annäherung steht und nicht etwa den Hausknecht abgeben soll, der die streitenden Herren Huber und Hawelka hinauswirft, sondern die Gouvernante, die sie versöhnt. Auch eine Viechsarbeit. Die Kunst ist unter allen Umständen der Dienstbote des Bürgers. Wenn die Herrschaft Geselligkeit pflegt oder auf Reisen geht, dann hat der Dienstbot noch immer nicht Ruh, sondern da geht's erst an: Melpomene, schauen S' auf den nationalen Frieden, Thalia, führen S' den Sprachenstreit äußerin. Die Polyhymnia singt den ganzen Tag in der Kuchel. Die Klio hat einen Soldaten, den sie leider dem Friedjung, einem alten Freund der Familie, vorzieht, und der Sohn des Hauses schleicht zur Terpsichore. Kurzum, was man sich mit den Schickses aussteht — nicht wissen sollen sie's, wie nötig man sie hat!

 

 

September 1913.


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