Das Dilemma


ist etwas, in das man leicht kommt. Ein moderner Kopf beginnt:

Unser Lebenstempo ist um ein bedeutendes schneller geworden, seit wir Eisenbahnen, Telegraph, Auto und Aeroplan und nicht zuletzt den Kientop (Kinema) haben. Mit der vielbelobten »Behaglichkeit« von anno Wind und Benedix ist es ein für allemal aus. Wir verstehen sie gar nicht mehr und wenn wir ihr irgendwo begegnen, so macht sie uns einfach grauenhaft nervös — um wieviel mehr im Theater! … Man spannt heute nicht mehr ein Theaterpublikum wie zu Benedix’ Zeiten, wo man mit … dem klassischen »Ha! ich habe mein Plänchen«, ein spannendes, vielbelobtes Lustspiel machte… Das Publikum von heute, wir alle sind ungeduldig! …

Und setzt fort:

In diesem Dilemma gibt es nur eine Lösung. Nein, Herr Ahnungslos, nicht die zweite, die Sie für möglich halten… Seltsame Kaprizen hat Dame Zensur ja gewiß …

Das kommt davon, wenn ein Literat, der direkt von der Ulrike v. Levetzow abstammt, sich in den modernen Betrieb einläßt. Das rächt sich immer. Schillers Urenkel weiß ein Lied davon zu singen.

 

 

Januar, 1912.


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