Du mußt es dreimal sagen


(Dreimaliges Blühen eines Apfelbaumes.) In dem großen Garten des »Hotel Marienhof« in Pfaffstätten an der Südbahn befindet sich ein Apfelbaum, welcher heuer schon das drittemal in Blüte steht. Von der ersten Blüte sind jetzt noch reife Äpfel zu sehen; von der zweiten sehr reichen Blüte viele kleine Äpfel und jetzt blüht der Baum zum drittenmal.

Und es nützt ihm nichts und es nützt ihm nichts. Ringsherum finden ganz andere Ereignisse Beachtung. Solche Apfelbäume sollten lieber totgeschwiegen werden. Ich wünsche so etwas in der Neuen Freien Presse nicht mehr zu lesen: auch wenn sie nur die Wunder eines Hoteliers preisen wollte und nicht Gottes Komfort. Aber sie tue es nicht. Nichts von Blüte in solchem Mund! Nichts von Blüte, wo nur Blätter sind! Dem Baum nützt es nicht, und wenn er viermal sagte, was man nicht hören will, und ihr glaubt man's nicht. Es ist, als ob ein Menschenfresser Tränen hätte, weil eine Schiffbrüchige in gesegneten Umständen ans Land kommt. Nein, toller: es ist, als ob die Neue Freie Presse gerührt wäre, weil ein Apfelbaum blüht!

 

 

Oktober, 1912.


 © textlog.de 2004 • 13.12.2017 06:34:01 •
Seite zuletzt aktualisiert: 15.01.2007 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright Die Fackel: » Glossen » Gedichte » Aphorismen » Notizen