Abschluß der Universitätszeit


Wann Immanuel aus dem Verband der Universität auch formell ausgeschieden ist, und wann er die Vaterstadt verlassen hat, läßt sich bei dem Mangel zuverlässiger Nachrichten nicht feststellen; letzteres vermutlich nicht vor Mitte 1747, wo sein Vorgänger in Judtschen (s. folgendes Kapitel) aus seiner Stelle schied. Vorher hatte er noch den Schmerz, seinen Vater zu verHeren, der am Nachmittag des 24. März 1746 in seinem Beisein verschied, nachdem er schon lange schwerleidend gewesen: er starb, wie der Sohn im Hausbuch vermerkt, "an einer gänzlichen Entkräftung, die auf den Schlag, der ihn anderthalb Jahr vorher befiel, erfolgte". Da kein Vermögen vorhanden war, so wurde Riemermeister Kant am 30. März "still", d. h. ohne Leichenkondukt, und "arm", d. h. auf öffentliche Kosten begraben; wahrscheinlich von dem alten Wohnhause aus, denn im Kirchenbuche steht die gleiche Notiz wie beim Tode seiner Frau: Mstr. Kant aus der vord. Vorstadt. Gut muß es in dem Häuschen an der Sattlergasse in den letzten Jahren nicht mehr gegangen sein, denn die eigenhändige Bemerkung des Sohnes in dem "Hausbuch" lautet weiter: "Gott, der ihm in diesem Leben nicht viel Freude genießen lassen, lasse ihm davor die ewige Freude zu Teil werden."

So fesselte den nunmehr 23 jährigen auch der Gedanke an den etwa verlassen und krank zurückbleibenden Vater nicht mehr an Königsberg. Allzuviel Neues hatten ihm die Universitätsjahre nicht gebracht. Der einzige wirklich anregende Lehrer, Martin Knutzen, war ihm in der Hauptsache doch nur der Führer zu einem Größeren, zu Newton, gewesen. An seinem geselligen Leben ist bezeichnend, dass er sich nicht nach den anderen richtet, sondern dass bereits hier er seinen Kreis beherrscht. Und endlich: mag auch wenig aus seinem persönlichen und wissenschaftlichen Leben während dieser Zeit überliefert sein, das wenigstens steht doch fest, dass er anders war wie die anderen, dass er sich selbst seinen eigenen Weg gesucht hat. Seine Seele hatte einen unverrückbaren Mittelpunkt gefunden, der ihn von seiner Umgebung innerlich unabhängig machte. In dieser Beschränkung ist das Wort wahr, das einer seiner ältesten Biographen von ihm gesagt hat: "Er ward alles durch sich selbst."


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