F. A. Schultz


Nach vierjähriger Leitung durch den früh verstorbenen Rogall (geb. 1701), unter dem zu der Latein- noch eine "Deutsche Schule" für künftige Kaufleute und Handwerker und mehrere Armenschulen hinzukamen, wurde im Jahre 1733 der schon von uns genannte Franz Albert (Albrecht) Schultz an die Spitze der Anstalt berufen. Schultz, 1692 in Pommern geboren, hatte während seiner Studienzeit in Halle neben dem Francke-Spenerschen Pietismus auch die Wolffsche Philosophie in sich aufgenommen. Mehr praktisch als theoretisch veranlagt, hatte er 1724 eine Feldpredigerstelle bei einem Reiterregiment zu Frankfurt a. O. angenommen und es als solcher durch die von ihm eingeführten Erbauungs- und Katechisationsstunden dahin gebracht, dass seine Reiter nicht bloß mit Waffen und Pferden, sondern auch in Bibel, Gesangbuch und Katechismus Bescheid wußten! Seitdem stand er bei dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. in höchster Gunst. Der ernannte ihn 1731 zum Konsistorialrat, Theologieprofessor und Pfarrer in Königsberg und übertrug ihm nach Rogalls Tode — und zwar über den Kopf der preußischen Regierung hinweg — auch noch die Leitung des Friedrichskollegs. Schlicht und unscheinbar in seiner äußeren Erscheinung, nach außen ruhigen Wesens, in seinen Predigten mehr durch Klarheit als den bei anderen beliebten rednerischen Aufputz wirkend, war er doch voll inneren Feuers und leidenschaftlicher Tatkraft: eine "geheime Cholera" bildete nach dem Zeugnis eines Zeitgenossen den Grundzug seines Temperaments. An der Universität war er bald nicht bloß die maßgebende Persönlichkeit der theologischen Fakultät, sondern bis gegen. 1750 ihr einflußreichster Lehrer überhaupt. Sein Lehrer Wolff soll von ihm gesagt haben: "Hat mich je jemand verstanden, so ist's Schultz in Königsberg," und sein Zuhörer Hippel wollte von seinen dogmatischen Vorlesungen den Eindruck gewonnen haben, "als hätten Christus und die Apostel sämtlich in Halle unter Wolff studiert." Auch seine Wirksamkeit auf dem Gebiete der Schulverwaltung war weitreichend: er ist der geistige Urheber aller im letzten Jahrzehnt Friedrich Wühelms I. ergangenen Reformerlasse in Kirchen- und Schulangelegenheiten für das "Königreich Preußen", d. h. die Provinz Ostpreußen, gewesen, zu deren Generalinspektor er dann auch 1737 ernannt wurde.

Diesen Mann mußten wir genauer kennenlernen, weil er der Anstalt, in der Immanuel Kant 8 Jahre seiner Jugendzeit verbrachte, auf lange Zeit das geistige Gepräge verliehen hat. Für die engere Leitung freilich hatte er sich, bei seiner weitverzweigten sonstigen Tätigkeit, bereits Ende 1734 einen "Adjunkten" in der Person des seit Ostern 1732 als Inspektor an der Anstalt wirkenden Christoph Schiffert (1689—1765) erbeten und erhalten, der nicht weniger als 33 Jahre seine Kraft ungeteilt dem Friedrichskollegiuni und den damit verbundenen Schulen gewidmet hat. Von ihm stammt denn auch die 1742 erschienene "Zuverlässige Nachricht von den jetzigen Anstalten des Kollegii Fridericiani", die ein anschauliches Bild von deren innerem und äußerem Betrieb entwirft.


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