Der Körper des Menschen


Von der Beschreibung der leblosen Körper und der Pflanzen ging ich über zu der der Tiere und insbesondere zu der der Menschen. Aber weil ich hier noch nicht Kenntnisse genug besaß, um davon in derselben Weise wie von den übrigen Dingen zu reden, das heißt die Wirkungen aus den Ursachen zu erklären und zu zeigen, woraus und wie die Natur sie erzeugen muß, so begnügte ich mich mit der Annahme, Gott habe den menschlichen Körper so gebildet, wie der unsrige ist, ebensowohl was die äußere Gestalt der Glieder, als was die innere Bildung seiner Organe betrifft, ohne denselben aus einer andern Materie zusammenzufügen, als die ich beschrieben, und ohne zunächst darein eine vernünftige Seele oder ein anderes Wesen zu setzen, das daselbst als ernährende oder empfindende Seele dienen könnte; dass er bloß in seinem Herzen eines jener Feuer ohne Licht entzündet, die ich schon erklärt und ganz so begriffen hatte, wie das Feuer, welches den Heuhaufen erhitzt, der eingeschlossen wurde, ehe er trocken war, oder welches die jungen Weine kocht, wenn man sie im Faß gären läßt. Denn wenn ich die Funktionen untersuchte, die infolgedessen in diesem Körper stattfinden konnten, so fand ich, es seien genau dieselben, die in uns vor sich gehen, ohne dass wir uns derselben bewußt sind, also ohne dass unsere Seele, das heißt jener vom Körper unterschiedene Teil, dessen Natur, wie oben gesagt worden, bloß im Denken besteht, etwas dazu beiträgt, und in denen, wie man sehen kann, die vernunftlosen Tiere uns gleichen. Und ich hätte unter diesem Gesichtspunkte nicht eine von den Funktionen finden können, die vom Denken abhängen und deshalb die einzigen sind, die uns als Menschen zukommen, während ich sie alle fand, unter der Annahme, dass Gott eine vernünftige Seele geschaffen und sie auf eine gewisse Weise diesem so von mir beschriebenen Körper vereinigt habe.


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Seite zuletzt aktualisiert: 21.12.2006 
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