Furcht vor der Zensur


Es sind jetzt gerade drei Jahre, dass ich mit der Abhandlung, die alle diese Dinge enthielt, zu Ende gekommen war und die Durchsicht begann, um sie drucken zu lassen. Da erfuhr ich, dass Personen, die ich verehrte und deren Ansehen ebensoviel über meine Handlungen vermochte wie meine eigene Vernunft über meine Gedanken, eine kurz vorher von jemand anderem veröffentlichte physikalische Ansicht gemißbilligt hatten. Ich will nicht sagen, dass ich deren Anhänger war, sondern nur, dass ich vor jener Zensur nichts in ihr bemerkt hatte, das ich der Religion oder dem Staate für nachteilig halten konnte und das mich, im Fall ich davon überzeugt gewesen, gehindert hätte, es zu veröffentlichen. Deshalb fürchtete ich, es könne sich ganz ebenso auch unter meinen Ansichten eine finden, in der ich mich getäuscht, trotz der großen Sorgfalt, die ich immer gehabt, nichts Neues ohne die sichersten Beweise gläubig anzunehmen und nichts zu schreiben, das nach irgendeiner Seite hin jemand nachteilig werden könnte. Und so fühlte ich mich genötigt, meinen schon gefaßten Entschluß, die Schrift zu veröffentlichen, zu ändern. Denn obwohl die Beweggründe, aus denen ich jenen Entschluß gefaßt hatte, sehr stark waren, so ließ mich doch meine tiefe Abneigung gegen die Buchmacherei sogleich andere Gründe genug zu meiner Entschuldigung finden. Und diese Gründe sind auf beiden Seiten der Art, dass es nicht bloß mich an dieser Stelle interessiert, sie zu sagen, sondern vielleicht auch das Publikum, sie zu wissen.


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Seite zuletzt aktualisiert: 21.12.2006 
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