Gründe für die Veröffentlichung der Schrift


Alle diese Erwägungen zusammen brachten mich vor drei Jahren dazu, dass ich jene Schrift, die ich unter Händen hatte, nicht bekannt machen wollte und sogar den Entschluß faßte, während meines Lebens keine andere herauszugeben, die so umfassend wäre und aus der man die Grundlagen meiner Physik verstehen könnte. Aber seitdem haben mich zwei andere Gründe genötigt, einige Versuche von partikularem Inhalt hierher zu setzen und dem Publikum eine Art Rechenschaft von meinen Arbeiten und Absichten zu geben. Der erste Grund ist, dass, wenn ich es nicht täte, mehrere, die meine frühere Absicht, einige Schriften drucken zu lassen, gekannt haben, die Meinung fassen könnten, die Ursachen, aus denen ich es unterlasse, seien mehr, als sie es wirklich sind, zu meinem Nachteil. Denn obwohl ich den Ruhm nicht übermäßig liebe oder sogar, wenn ich es sagen darf, hasse, sofern ich ihn für einen Feind der Ruhe halte, die mir über alles geht, so habe ich doch nie gesucht, meine Handlungen, als ob sie Verbrechen wären, zu verbergen, und auch keine besondere Vorsicht gebraucht, um unbekannt zu bleiben, sowohl weil ich gemeint hätte, mir Unrecht zu tun, als auch, weil mir dies eine Art Unruhe gemacht haben würde, die wiederum der vollkommenen Geistesruhe, die ich suche, zuwider gewesen wäre. Und da ich nun bei dieser stets gleichgültigen Haltung zwischen den beiden Unannehmlichkeiten, bekannt zu werden und unbekannt zu bleiben, nicht habe verhindern können, einen gewissen Ruf zu erwerben, so meinte ich, mein Bestes tun zu müssen, um wenigstens keinen schlechten zu haben. Der zweite Grund, der mich diese Schrift hier zu schreiben vermocht hat, ist, dass ich täglich mehr und mehr den Plan meiner Selbstbelehrung sich verzögern sehe, weil ich unendlich viele Erfahrungen nötig habe, die ich ohne fremde Hilfe unmöglich machen kann, und obwohl ich mir nicht mit der Hoffnung schmeichle, dass die Welt an meinen Interessen großen Anteil nimmt, so will ich mir doch auch nicht so sehr Abbruch tun, um denen, die mich überleben werden, Grund zu geben, dass sie mir eines Tages den Vorwurf machen, ich hätte ihnen mehrere Dinge weit besser, als es der Fall ist, hinterlassen können, wenn ich es nicht zu sehr vernachlässigt hätte, sie wissen zu lassen, worin sie meinen Absichten förderlich sein könnten.

Und ich habe gemeint, dass ich mit Leichtigkeit einige Materien würde wählen können, die, ohne vielen Streitfragen unterworfen zu sein und ohne mich zu nötigen, von meinen Prinzipien mehr, als ich will, darzutun, doch klar genug zeigen würden, was ich in den Wissenschaften vermag oder nicht vermag. Ich kann nicht sagen, ob mir die Sache gelungen ist, und ich will niemandes Urteilen zuvorkommen, indem ich selbst von meinen Schriften rede; aber ich werde mich freuen, wenn man sie prüft, und damit man um so mehr Gelegenheit dazu habe, so bitte ich dringend alle, die auf diese Schrift einige Einwände werden zu machen haben, sich die Mühe zu nehmen, dieselben meinem Buchhändler zu schicken. Dieser wird mich davon in Kenntnis setzen, und ich werde bemüht sein, meine Erwiderung gleich damit zu verbinden, und so werden die Leser, indem sie beide zugleich vor sich sehen, um so leichter über die Wahrheit urteilen, denn ich verspreche, nie lange Erwiderungen zu machen, sondern bloß meine Irrtümer, wenn ich sie erkenne, ganz frei einzugestehen, oder wenn ich deren keine finden kann, einfach zu sagen, was ich zur Verteidigung meiner Schriften für nötig halten werde, ohne die Erklärung irgendeiner neuen Materie hinzuzufügen, um mich nicht ohne Ende aus dem einen ins andere zu verlieren.


 © textlog.de 2004 • 19.10.2017 02:13:40 •
Seite zuletzt aktualisiert: 21.12.2006 
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