Logik, Analysis und Algebra


Ich hatte, als ich jünger war, unter den philosophischen Wissenschaften mich etwas mit der Logik und unter den mathematischen mit der geometrischen Analysis und Algebra beschäftigt: drei Künste oder Wissenschaften, die mir, wie es schien, für meinen Zweck nützlich sein konnten. Bei näherer Untersuchung aber machte ich in betreff der Logik die Beobachtung, dass ihre Syllogismen und der größte Teil ihrer anderen Anweisungen mehr dazu diene, andern, was man weiß, zu entwickeln oder auch, wie die Lullische Kunst, ohne Urteil über Dinge, die man nicht weiß, zu reden, als sie zu lernen, und obwohl die Logik wirklich viele sehr wahre und gute Vorschriften enthält, so sind doch so viele andere schädliche oder überflüssige damit vermischt, dass es fast ebenso schwierig ist, jene davon abzusondern, wie eine Diana oder Minerva aus einem noch ganz formlosen Marmorblock hervorgehen zu lassen. Was dann die Analysis der Alten und die Algebra der Neueren betrifft, so ist, abgesehen davon, dass sich beide nur auf sehr abstrakte und unnütze Materien erstrecken, die erste dergestalt an die Betrachtung der Figuren gebunden, dass sie den Verstand nicht üben kann, ohne die Einbildungskraft zu ermüden; und in der zweiten hat man sich gewissen Formeln und Chiffren so sehr unterworfen, dass man daraus eine verworrene (confus) und dunkle (obscur) Kunst macht, die den Geist belästigt, statt einer Wissenschaft, die ihn bildet. Und darum, meinte ich, müsse man eine andere Methode suchen, welche die Vorteile jener drei in sich begriffe, ohne deren Mängel zu haben. Und wie sich mit der Menge der Gesetze oft die Gesetzwidrigkeiten entschuldigen lassen, so dass ein Staat weit besser geregelt ist, wenn er nur sehr wenige Gesetze hat, diese aber sehr genau befolgt werden, so glaubte ich, statt einer großen Anzahl von Regeln, aus denen die Logik besteht, an den folgenden vier genug zu haben, unter der Bedingung, dass ich den festen und beharrlichen Entschluß faßte, sie stets zu befolgen.


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