Negative Freiheit


Ich = Ich ist hiermit von der Spekulation verlassen worden und der Reflexion anheimgefallen; das reine Bewußtsein tritt nicht mehr als absolute Identität auf, sondern in seiner höchsten Würde ist es dem empirischen Bewußtsein entgegengesetzt. — Es erhellt hieraus, welchen Charakter die Freiheit in diesem Systeme hat; sie ist nämlich nicht das Aufheben der Entgegengesetzten, sondern die Entgegensetzung gegen dieselben und wird in dieser Entgegensetzung als negative Freiheit fixiert. Die Vernunft konstituiert sich durch Reflexion als Einheit, der absolut eine Mannigfaltigkeit gegenübersteht; das Sollen drückt diese bestehende Entgegensetzung, das Nicht-Sein der absoluten Identität aus. Das reine Setzen, die freie Tätigkeit ist, als eine Abstraktion, in der absoluten Form eines Subjektiven gesetzt. Die transzendentale Anschauung, wovon das System ausgeht, war in der Form der philosophischen Reflexion, die sich zum reinen Denken seiner selbst durch absolute Abstraktion erhebt, ein Subjektives; um die transzendentale Anschauung in ihrer wahren Formlosigkeit zu haben, mußte von diesem Charakter eines Subjektiven abstrahiert werden; die Spekulation mußte von ihrem subjektiven Prinzip diese Form entfernen, um es zur wahren Identität des Subjekts und Objekts zu erheben. So aber sind die transzendentale Anschauung, insofern sie der philosophischen Reflexion angehört, und die transzendentale Anschauung, insofern sie weder Subjektives noch Objektives ist, eins und dasselbe geblieben. Das Subjekt = Objekt kommt aus der Differenz und aus der Reflexion nicht mehr heraus; es bleibt ein subjektives Subjekt = Objekt, welchem die Erscheinung absolut ein Fremdes ist und welches nicht dazu gelangt, sich selbst in seiner Erscheinung anzuschauen.


 © textlog.de 2004 • 17.10.2017 13:37:06 •
Seite zuletzt aktualisiert: 10.11.2006 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright