Philosophische Reflexion als Akt der Freiheit


Die philosophische Reflexion ist ein Akt absoluter Freiheit, sie erhebt sich mit absoluter Willkür aus der Sphäre des Gegebenseins und produziert mit Bewußtsein, was im empirischen Bewußtsein die Intelligenz bewußtlos produziert und was daher als gegeben erscheint. In dem Sinne, in welchem der philosophischen Reflexion die Mannigfaltigkeit der notwendigen Vorstellungen als ein durch Freiheit hervorgebrachtes System entsteht, wird die bewußtlose Produktion einer objektiven Welt nicht als ein Akt der Freiheit behauptet — denn insofern ist empirisches und philosophisches Bewußtsein entgegengesetzt —, sondern insofern beide die Identität des Sich-selbst-Setzens sind; das Sich-selbst-Setzen, Identität des Subjekts und Objekts, ist freie Tätigkeit. In der vorigen Darstellung der Produktion der objektiven Welt aus dem reinen Bewußtsein oder dem Sich-selbst-Setzen fand sich notwendig ein absolutes Entgegensetzen ein; dies kommt, insofern die objektive Welt als ein Akt der Freiheit deduziert werden soll, als ein Selbstbeschränken des Ich durch sich selbst zum Vorschein, und die produktive Einbildungskraft wird aus den Faktoren der unbestimmten, ins Unendliche gehenden, und der beschränkenden, auf Verendlichung gehenden Tätigkeit konstruiert. Wird die reflektierende Tätigkeit gleichfalls als eine unendliche gesetzt, wie sie, weil sie hier ideeller Faktor, ein absolut Entgegengesetztes ist, gesetzt werden muß, so kann auch sie selbst als ein Akt der Freiheit gesetzt werden, und Ich beschränkt sich mit Freiheit. Auf diese Weise würde nicht Freiheit und Schranke einander entgegenstehen, aber sich unendlich — und endlich setzen: dasselbe, was oben als Gegensatz des ersten und zweiten Grundsatzes vorkam. Die Beschränkung ist hiermit allerdings ein Immanentes, denn es ist das Ich, das sich selbst beschränkt; die Objekte werden nur gesetzt, um diese Beschränkung zu erklären, und das Sich-selbst-Beschränken der Intelligenz ist das einzige Reelle. Auf diese Art ist die absolute Entgegensetzung, welche das empirische Bewußtsein zwischen Subjekt und Objekt setzt, aufgehoben, aber sie ist in anderer Form in die Intelligenz selbst getragen; und die Intelligenz findet sich einmal in unbegreifliche Schranken eingeschlossen, es ist ihr absolut unbegreifliches Gesetz, sich selbst zu beschränken; aber gerade die Unbegreiflichkeit der Entgegensetzung des gemeinen Bewußtseins für dasselbe ist, was zur Spekulation treibt. Die Unbegreiflichkeit bleibt aber in dem System durch die in die Intelligenz selbst gesetzte Schranke, deren Kreis zu durchbrechen das einzige Interesse des philosophischen Bedürfnisses ist. — Wird die Freiheit der beschränkenden Tätigkeit entgegengesetzt, als Sich-selbst-Setzen dem Entgegensetzen, so ist die Freiheit bedingt, was nicht sein soll; wird auch die beschränkende Tätigkeit als eine Tätigkeit der Freiheit gesetzt — wie oben Sich-selbst-Setzen und Entgegensetzen beides ins Ich gesetzt wurde —, so ist die Freiheit absolute Identität, aber sie widerspricht ihrer Erscheinung, die immer ein nicht Identisches, Endliches und Unfreies ist. Es gelingt der Freiheit im System nicht, sich selbst zu produzieren; das Produkt entspricht nicht dem Produzierenden; das System, das vom Sich-selbst-Setzen ausgeht, führt die Intelligenz zu ihrer bedingten Bedingung in ein Endloses von Endlichkeiten fort, ohne sie in ihnen und aus ihnen wiederherzustellen.


 © textlog.de 2004 • 21.10.2017 07:04:43 •
Seite zuletzt aktualisiert: 11.11.2006 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright