Feiern und Feste


Nach eingenommenem Mahl danken sie Gott in den Tönen der Musik und singen Lobgesänge zum Preise Gottes, darauf folgen szenische Darstellungen aus dem Leben christlicher, jüdischer, heidnischer Heroen, überhaupt welcher Nationen immer, denn Neid und Schelsucht (nationaler Art) sind in dieser glücklichen Stadt unbekannt, sie schöpfen lediglich Genuß daraus. Sie singen Hymnen zu Ehren der »Liebe«, der »Weisheit«, die jede Tugend repräsentiert, den Gesang dirigiert.

Dann sucht sich jeder eine Frau aus, die ihm die liebste ist, und es werden wohlehrbare und graziöse Tänze in den Peristylen aufgeführt.

Die Frauen haben langes Haar, das sie in einen einzigen Knoten oben auf dem Kopfe zusammenfassen. Die Männer scheren sich das Haupthaar ab und lassen nur eine einzige dünne Strähne mitten auf dem ringsgeschorenen Schädel stehen. Als Kopfbedeckung tragen sie einen Schleier und darüber eine runde Kapuze, die nur wenig größer ist als die Kopfform.

Im Freien haben sie Hüte auf, zu Hause weiße oder rote oder andersfarbige Barette, jeder nach seinem Gewerbe oder Amte. Die der Obrigkeiten sind größer und prächtiger.

Die Solarier feiern vier große Feste, und zwar wenn die Sonne in die Zeichen des Krebses, der Waage, des Steinbocks und des Widders tritt. Zu diesen Zeiten werden sehr schöne und sinnig erfundene Dramen ausgeführt. Neumond und Vollmond sind allemal Festtage für sie, sowie auch der Jahrestag der Gründung der Stadt und der ihrer verschiedenen Siege u.s.w. Dann erschallt Musik, worein sich Frauengesang mischt, Trompeten, Posaunen und Trommeln machen die Luft von ihren schmetternden Tönen widerhallen, Kanonenschüsse werden gelöst. Die Dichter feiern die großen Feldherren und ihre Heldentaten. Wer aber, auch zu Gunsten eines Heros, lügenhaftes Lob vorbringt, wird bestraft. Dieser mit der Poesie getriebene Mißbrauch erscheint ihnen geradezu verderblich, weil er geeignet ist, tugendreichen Männern das Lob zu entziehen, um es oft recht lasterhaften Menschen, sei's aus Furcht vor ihnen, sei's aus Schmeichelei, sei's aus ehrgeiziger Intrige oder auch aus Habsucht zuzuwenden.


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