Physik, Metaphysik, Theologie


Sie nehmen zwei Grundursachen der irdischen Dinge an: die Sonne als Vater, die Erde als Mutter. Die Luft sei ein unreiner Teil des Himmels; das Feuer stamme aus der Sonne; das Meer ist der Schweiß der Erde oder ihr wässeriger Bestandteil, erzeugt durch die Verbrennung und Schmelzung der Stoffe, die sie in ihrem Schoße birgt; es ist zugleich das Band, das die Luft mit der Erde verbindet, gerade so gut wie das Blut das verbindende Band der Lebensgeister und des Leibes ist.

Die Welt sei ein Tier von ungeheurer Größe, in dessen Innerm wir leben, wie die Würmer in unserem Unterleibe. Wir dürften nicht von Sonne und Sternen und der Erde abhängen, sondern von Gott allein, denn wir sind geboren und leben durch Zufall inmitten derselben, die sonst keine Bestimmung als ihr physisches Wachstum habe, während Gott, dessen Werkzeuge sie doch nur sind, uns in seiner Allwissenheit und Weisheit zu einer großen Bestimmung geschaffen hat. So sind wir denn nur ihm Dank wie einem Vater schuldig und wir anerkennen, dass alles von ihm allein kommt.

Die Unsterblichkeit der Seele begegnet bei den Solariern keinem Zweifel; sie gesellen sich nach ihrem Glauben nach diesem Leben den guten oder bösen Engeln, jenachdem sie hiernieden mehr den einen oder den anderen geähnelt haben, denn Ähnliches strebt immer zu Ähnlichem.

Die Solarier sind ungefähr derselben Ansicht wie wir über die Orte der jenseitigen Strafen und Belohnungen; sie bezweifeln, dass es andere Welten außer der unsrigen gebe. Aber für Torheit erklären sie es, positiv zu behaupten, dass es außer unserem Weltall nichts gebe, denn, so sagen sie, ein Nichts gibt es weder in der Welt, noch außer der Welt; Gott, ein unendliches Wesen, ist mit dem Nichts unvereinbar. Dass es ein körperliches Unendliches gebe, leugnen sie freilich.

Sie stellen zwei metaphysische Grundprinzipien auf: Das Seiende, das Sein, d.i. Gott, das Oberste alles Seienden, aller Wesen, und das Nichts, der Mangel eines Seienden, die Grundbedingung alles Entstehenden, denn was schon ist, kann nicht erst entstehen, was also geschaffen wird, hat vorher nicht bestanden. So entsteht alles bestimmte Seiende aus dem Sein und aus dem Nichtsein. Aus der Tendenz zum Nichtsein stammt das Übel und die Sünde. Die Sünde hat keine bewirkende, sondern eine mangelnde (negative) Ursache. Mangelnde Ursache nennen sie den Mangel an Macht, an Wissenschaft oder Willen; die Sünde besteht in der Tat im Mangel an Willen; denn wer die Intelligenz und das Vermögen, Gutes zu tun, hat, muss auch den Willen dazu haben. Nun entspringt der Wille aus der Macht und aus dem Wissen, aber kann diese nicht umgekehrt erzeugen.

Staunenerregend ist, dass sie Gott, wie wir, in der Dreieinigkeit anbeten. Gott ist die höchste Macht, erklären sie; aus ihr geht die höchste Weisheit hervor, die wieder ein- und derselbe Gott ist und aus beiden zusammen geht die höchste Liebe hervor, die Macht und Wissen vereinigt; denn was aus einem Seienden hervorgeht, muss an der Statur dessen, aus dem es hervorgegangen, teilnehmen. Indessen, da ihnen keine Offenbarung, wie uns, zuteil geworden, so wissen sie die drei Personen Gottes nicht klar zu unterscheiden, aber sie wissen, dass eine Emanation und Beziehung Gottes aus und auf sich selbst stattfinde.

Also: alle Wesen, so viele ihrer immer sind, schöpfen ihre metaphysiche Wesenheit aus Macht, Wissen und Liebe; und aus der Ohnmacht, Unwissenheit und Nicht-Liebe, sofern es sich um Nichtseiendes handelt.

DER GROSSMEISTER. Gott, welche Spitzfindigkeit!

DER GENUESE. O, wenn ich mehr Zeit hätte und mein Gedächtnis behaltsamer wäre, könnte ich dir noch wunderbarere Dinge erzählen, wenn ich mich aber nicht beeile, versäume ich die Abfahrt meines Schiffes.


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