21. Gewerbe, Handel, Umgang mit Fremden


Nunmehr erzähle mir, bitte, von den Arbeiten.

DER GENUESE. Ich glaube dir schon mitgeteilt zu haben, dass die militärischen Dienstleistungen und die im Ackerbau und in der Viehzucht zu leistenden Verrichtungen Allen gemeinsam sind. Jeder muss diese Obliegenheiten des Bürgertums kennen, die allgemein für die vornehmsten Berufe gehalten werden. Wer daher in mehreren Berufen bewandert ist, der gilt für um so edler als die andern, und wer es zu einer höheren Vollkommenheit darin gebracht hat, der wird zum Lehrer in dem betreffenden Fach ernannt. Die mühsamsten Arbeiten gerade verdienen in den Augen der Solarier das höchste Lob, wie z.B. das Maurer- und Schmiedehandwerk. Keiner verschmäht es auch, eine solche Tätigkeit auszuüben, weil von Kindheit an ihrem Hange zu den verschiedenen Berufen und deren Arbeiten Rechnung getragen worden ist. Auch sind die Arbeiten so klug und gerecht verteilt, dass sie, weit entfernt, der Gesundheit der Individuen zu schaden, dieselbe umgekehrt sogar kräftigen. Die weniger anstrengenden Verrichtungen werden von den Frauen besorgt.

Alle Solarier müssen schwimmen können. Darum sind innerhalb und nicht weit außerhalb der Stadt Wasserbehälter errichtet.

Aus allen Weltgegenden kommen Kaufleute nach der Sonnenstadt, den Einwohnern ihren Überfluss abzukaufen. Diese nehmen, obwohl ihnen gemünztes Geld bekannt ist und sie selbst solches haben, kein Geld dafür, sondern begnügen sich, ihre Waren gegen andere umzutauschen, deren hinwiederum sie benötigt sind.

Die Kinder der Solarier lachen aus vollem Halse, wenn sie sehen, was für ein Haufen Sachen für eine Hand voll Münzen hergegeben wird, aber die Alten lachen nicht. Denn diese wollen nicht, dass die städtische Bevölkerung durch die schlechten Sitten der Sklaven und fremden Ankömmlinge verderbt werden, daher schließen sie die Handelsgeschäfte draußen in den Häfen ab. Dort verkaufen sie auch die Kriegsgefangenen, wofern sie sie nicht zu Erdarbeiten und andern schweren Arbeiten außerhalb der Stadt verwenden.

Vier Abteilungen Soldaten bewachen beständig die Felder und beaufsichtigen die darauf arbeitenden Leute. Diese ziehen zu den vier Toren der Stadt auf Straßen hinaus, die mit Ziegelsteinen bepflastert sind und bis zum Meere führen, damit den Fremden, gegen die sich die Solarier stets zuvorkommend und gastfrei erweisen, sowohl die Reise als der Warentransport erleichtert werde. Während der ersten drei Tage werden die Fremden auf öffentliche Unkosten gespeist. Man beginnt damit, ihnen die Füße zu waschen. Dann zeigt man ihnen die Stadt und alle ihre Einrichtungen, lädt sie zum Besuche des großen Rates ein und zieht sie an die öffentliche Tafel, wo sie von eigens dafür bestimmten Personen bedient werden. Ebenso wird über ihre Sicherheit von eigens zu diesem Dienste befohlenen Leuten gewacht.

Wünschen die Fremden Bürger des Sonnenstaates zu werden, so müssen sie sich einen Monat auf dem Lande, einen zweiten in der Stadt gewissen Prüfungen unterziehen, dann wird die Entscheidung über ihre Aufnahme getroffen, welche unter gewissen Zeremonien und zu leistenden Eiden erfolgt.


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