17. Gemeinbesitz der Frauen


DER GROSSMEISTER. Das dünkt mich alles schön und fromm, aber die Gemeinschaft der Frauen erscheint mir allzuheikel. Der heilige Clemens, der Römer, sagt, dass nach apostolischen Einrichtungen auch die Eheweiber gemeinsam sein müßten und lobt Plato und Sokrates darum, weil diese auch gesagt hätten, dass es so sein müsse. Aber die Glosse versteht darunter die Gemeinsamkeit des Gehorsams gegen Alle, nur nicht die des Lagers. Und Tertullian bestätigt die Glosse und sagt, dass die ersten Christen alles gemeinsam gehabt hätten, mit Ausnahme der Frauen, die wären es aber dem Gehorsam nach ebenfalls gewesen.

DER GENUESE. Von diesen Dingen weiß ich nichts. Das aber weiß ich und habe es gesehen, dass bei den Solariern die Frauen den Dienstleistungen und dem Ehelager nach gemeinsam ist. Aber nicht nach Art der wilden Tiere, dass sie sich jedes ihnen begegnenden Weibes bemächtigen, sondern, wie es heißt nach dem Gesetze der Zuchtwahl. Ich glaube aber, dass sie sich da irren, obwohl sie sich durch die Autorität des Sokrates, Plato und des heiligen Clemens decken, die, wie du gesagt hast, jedenfalls falsch ausgelegt worden ist. Sie behaupten, der heilige Augustin habe den Kommunismus gebilligt, aber nicht den der Weiber, wenn man nicht in die Ketzerei der Nikolaiten verfallen will, bei denen Gemeinschaft des Beilagers besteht. Und unsere Kirche habe bloß, um ein noch größeres Übel zu vermeiden, die Gütergemeinschaft eingeführt, nicht aber, um ein noch größeres Gut einzuführen.

Sie könnten ja mit der Zeit diesen Gebrauch ablegen, weil zwar in den unterworfenen Städten die übrigen Dinge, aber nicht die Frauen gemeinsam sind, mit Ausnahmen ihrer Dienstleistungen und Kunstfertigkeiten. Nichtsdestoweniger rechnen sie das den Einwohnern jener eroberten Städte als eine Unvollkommenheit ihrer Philosophie an.

Trotzdem schicken sie Abgesandte aus, um die Sitten anderer Völker zu erforschen und die besseren sich anzueignen. Die Gewohnheit mache die Frauen zum Kriege und zu andern Dienstverrichtungen tauglich. Daher stimme ich völlig dem Plato zu, seitdem ich die Sonnenstadt kenne, weniger den Gründen unseres Cajetan, am wenigsten dem Aristoteles.


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