Sonne und Himmel


Insbesondere die vergleichende Mythologie leidet gerade in ihren Grundanschauungen an schwer lösbaren Widersprüchen. Es ist wohl nicht daran zu zweifeln, dass die Sonne z. B. schon in urältesten Zeiten mit religiöser Andacht verehrt worden sei; wenn man aber eine ebensolche Betrachtung des Himmels ebensoweit zurückversetzt, so dürften neuere Anschauungen mitgewirkt haben. Das verhindert die Gelehrten nicht, offenbar Sonne und Himmel durcheinander zu mengen. Es wird allgemein gelehrt, dass der gemeinsame Name des obersten Gottes (Dyâus, Zeus, Ju-piter, Zio) von der Sanskritwurzel div (strahlen) herstamme und den Himmelsgott bedeute, oder eigentlich in noch älterer Zeit den Himmel selbst. Nun aber soll der große Gott Uranos (im Sanskrit Varuna) ebenfalls den Himmel und nach der Sanskritwurzel var den Umhüller bedeuten. Gemeinsame Abkunft von einem Urworte vorausgesetzt, wäre es doch merkwürdig, wenn ein und dasselbe Ding, durch entgegengesetzte Merkmale bezeichnet, zum Gotte geworden wäre.


 © textlog.de 2004 • 18.12.2017 13:41:35 •
Seite zuletzt aktualisiert: 08.09.2006 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright