Vico - Jean Paul


Da wurde ich durch ein Wort Goethes auf Vico aufmerksam gemacht, auf dessen Werke ich mich nun mit großen Erwartungen stürzte, um einmal nicht enttäuscht zu werden. Der außerordentliche Mann ist mit Unrecht halb vergessen. Um sogleich das letzte auszusprechen, was ich dem Zu-Ende-denken seiner Ideen verdanke: Alle Sprachbildung kann deshalb nichts anderes sein als metaphorischer Bedeutungswandel, weil der Begriff Metapher im Grunde nichts anderes ist als ein herkömmlicher, aus den Rhetorenschulen auf uns gekommener, unerträglich pedantischer Ausdruck für das "Wesentliche in unserem Seelenleben, für das, wofür wir den neueren Ausdruck Gedankenassoziation haben. Ich werde nachher mit schuldigem Danke mehr von Vico sagen müssen. Bevor ich nun aber das psychologische Wesen der Metapher zu ergründen suche, möchte ich noch hersetzen, was unser bilderreicher Jean Paul so vorzüglich über die sprachliche Bedeutung der Metapher ausgesprochen hat: "Wie im Schreiben Bilderschrift früher war als Buchstabenschrift, so war im Sprechen die Metapher, insofern sie Verhältnisse und nicht Gegenstände bezeichnet, das frühere Wort, welches sich erst allmählich zum eigentlichen Ausdruck entfärben mußte. Das tropische Beseelen und Beleiben fiel noch in eins zusammen, weil noch Ich und Welt verschmolz. Daher ist jede Sprache in Rücksicht geistiger Beziehungen ein Wörterbuch erblaßter Metaphern." Jean Paul war verwandt unserem Hamann, wie Hamann dem Vico. Und schon Hamann hatte gepredigt (Aesthetica in nuce): "In Bildern besteht der ganze Schatz menschlicher Erkenntnis und Glückseligkeit." Sein und Vicos Bacon hatte es gesagt: ut hieroglyphica literis, sie parabolae argumentis antiquiores. Dem glaubensseligen Hamann war es vorbehalten, Erkenntnis mit Glückseligkeit zu verquicken; aber von der erkenntnistheoretischen, das heißt für uns psychologischen Seite der Frage hatten Jean Paul, Vico und Bacon keine klarere Vorstellung. W. Wundt hat die Metapher (in den beiden ersten Bänden seiner "Völkerpsychologie") sehr gut mit der Lautgebärde, weniger gut mit dem Bedeutungswandel in Verbindung gebracht. E. Elster ("Prinzipien der Literaturwissenschaft") hat die Poetik der Metapher ein wenig verfeinert. A. Biese hat weit ausholend eine sehr lesenswerte "Philosophie des Metaphorischen" geschrieben. Doch auch Biese, dem ich Material genug verdanke, dringt bis zum eigentlichen erkenntnistheoretischen Problem nicht durch.


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Seite zuletzt aktualisiert: 07.09.2006 
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