Indikativ


Es fließen die drei Modi der Unbestimmtheit (Konjunktiv, Optativ und Imperativ) ohnehin in der Grammatik so sehr durcheinander, wie es in dem unbestimmten Charakter dieser Formen liegt. Sie alle betreffen das Verhältnis (ich möchte sagen) eines zukünftigen Indikativs zu seinen Bedingungen. Unsere gegenwärtige Einsicht in den Weltlauf ist so kompliziert und stellt sich eine solche Unzahl von Formen dieses Verhältnisses vor, dass die Sprache eben auch unzählige Formen des Konjunktivs, Optativs und Imperativs besitzen müßte, um jedesmal der Empfindung des Sprechers kongruent zu sein. Wir werden ähnlich sehen, dass die Sprache eine Unzahl von Zeitformen aufwenden müßte, um den unzähligen Zeitverhältnissen in einer Erzählung zu entsprechen. Das vermag die Sprache ihrem Wesen nach so wenig für die Zeitformen wie für die Modusformen. Der Sprachgebrauch behilft sich ja auch recht gut mit den unlogisch einander kreuzenden Formen des Konjunktivs, des Optativs und des Imperativs. Mich will es aber bedünken, als ob die Sprache in der Verzweiflung, die Bedingungen unserer Weltanschauung nicht jedesmal neu ausdrücken zu können, in den modernen Kultursprachen gegenwärtig die Neigung zeige, den Kampf aufzugeben, auf ein kongruentes Darstellen der Weltanschauung zu verzichten und den allgemeinen Dienstmann Indikativ an Stelle der unbestimmten Formen zu setzen.


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Seite zuletzt aktualisiert: 07.09.2006 
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