Tiere und Werkzeuge


Ich will nicht unerwähnt lassen, dass man den Menschen, um ihn doch "artig" vom Tiere zu unterscheiden, das werkzeuggebrauchende Tier genannt hat. Die Tiere besäßen demnach zwar Sprache, Wissenschaft und Logik, aber keinen Pfropfenzieher.

Zu der Behauptung, dass die Tiere niemals Werkzeuge gebrauchen, gewissermaßen nicht den mechanischen Umweg zur Berechnung eines Zieles kennen, finde ich eine bemerkenswerte Beobachtung in einem der wissenschaftlichen Briefe Baillys. Der Astronom Bailly, bekannter als Präsident der französischen Nationalversammlung, der die berühmte Sitzung vom 20. Juni 1789 leitete und dann auf dem Umwege der Guillotine getötet wurde, erzählt von einem überaus klugen Affen, der, von einer Kette zurückgehalten, vergebliche Versuche gemacht hatte, die Nüsse zu erlangen, die man in einiger Entfernung hinlegte. Der Affe nahm endlich einem vorübergehenden Diener die Serviette fort und bediente sich ihrer, um die Nüsse zu sich heran zu schleifen. Er erfand also eine vom Standpunkte des Physikers recht komplizierte Maschine. Derselbe Affe öffnete die Nüsse, indem er einen Stein auf sie niederfallen ließ; und als einmal die Erde aufgeweicht war und der Nuß nachgab, legte der kluge Erfinder ein Ziegelstück unter die Nuß. Er verwendete also das Prinzip, auf welchem z. B. die Ramme beruht, ohne doch die Fallgesetze studiert zu haben. Ich muß aber bemerken, dass Bailly diese Geschichten nicht selbst gesehen hat, sondern sie einem zwar geistreichen aber dennoch vertrauenswürdigen Freunde nacherzählt.

 

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Seite zuletzt aktualisiert: 06.09.2006 
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