Interjektionen


Da ich gerade dabei bin, will ich eine Bemerkung nicht unterdrücken, welche die Onomatopöie bei den sogenannten Empfindungslauten betrifft. In der Geschichte der Ursprungstheorien wird von einem Gegensatze zwischen Schallnachahmung und Interjektion gesprochen. Die Wauwautheorie stand der Pahpahtheorie feindlich gegenüber. Ich glaube, es ist noch von niemand bemerkt worden, dass auch unsere Interjektionen ohne Schallnachahmung nicht zu stände gekommen sein können, insoweit sie nämlich artikuliert sind und der eigentlichen Sprache angehören. Ich meine das so: Unsere Interjektionen, z. B. ach und pfui, waren ursprünglich unartikulierte Laute, tierische Laute, wie der wirkliche Ruf des Kuckucks. Das ach war ein unartikuliertes Seufzen, das pfui war ein hörbares Ausspucken oder doch ein Luftausstoßen des Ekels. Die Menschen schufen metaphorisch artikulierte Laute, welche ein möglichst deutliches Bild der unartikulierten Empfindungslaute boten, und — weil in diesem Fall der Naturlaut und die metaphorische Klangnachahmung von dem gleichen Organ ausgeführt wurden — darum kam es hier zu dem einzigen Fall der Onomatopöie, in welchem Sache und Bild einander nahezu entsprachen. Ach und pfui waren als Naturlaut und als Sprachlaut mit der gleichen Stellung der Sprachorgane hervorzustoßen; doch selbst in diesem einzigen Falle wurde der Naturlaut zum Sprachlaut erst, wenn etwas Neues hinzukam: Sprache.

 

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Seite zuletzt aktualisiert: 06.09.2006 
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