Was Geschicklichkeit man in der Aufführung der Tiere wahrnimmt


Ferner, welche Art von unserer Geschicklichkeit nehmen wir nicht in den Verrichtungen der Tiere wahr? Kann eine Polizei ordentlicher eingerichtet sein, mehr verschiedene Ämter und Bedienungen haben, und beständiger unterhalten werden, als diejenige, die unter den Bienen ist? Können wir uns einbilden, dass diese so ordentliche Einteilung der Arbeiten und Verrichtungen, ohne Vernunft und ohne Klugheit gemacht werden, könne?

 

 

His quidam signis atque haec exempla sequuti.

Esse apibus partem diuinae mentis, et haustus

Aethereos dixere. (a)

 

Suchen wohl die Schwalben, die wir bei wiederkommenden Frühling alle Winkel unserer Häuser ausspähen sehen, ohne Beurteilung; und wählen sie ohne Einsicht unter tausend Plätzen denjenigen, der zu ihrer Wohnung der bequemste ist? Können sich die Vögel bei ihrem schönen und wunderbaren Nestbaue vielmehr einer viereckichten, als runden Figur, vielmehr eines stumpfen, als eines rechten Winkels, bedienen, ohne derselben Beschaffenheit und Wirkungen zu verstehen? Nehmen sie bald Wasser, und bald darauf Ton, ohne zu urteilen, dass das Harte in der Nässe weich wird? Belegen sie den Boden ihrer Palläste mit Moos oder Pflaumenfedern, ohne vorher zu sehen, dass die zarten Glieder ihrer Jungen weicher und bequemer darauf liegen werden? Verwahren sie sich vor dem Regenwinde, und bauen ihre Wohnungen gegen Morgen, ohne die verschiedene Beschaffenheit dieser Winde zu erkennen, und zu überlegen, dass ihnen einer heilsamer ist als der andere? Warum macht die Spinne ihr Gewebe an einem Orte dick, und an dem andern dünne? Warum bedient sie sich bald dieser, bald jener Art von Knoten, wenn sie weder überlegen, noch denken, noch schliessen kann?

 

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(a) Diesen Kennzeichen und Beispielen zu Folge haben einige gesagt, die Bienen besässen einen Teil des göttlichen Verstandes, und hätten etwas himmlisches in sich, Virg. Georg. L. IV. v. 219. u. f.


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