Schluß, den der Fuchs macht


Wenn wir also den Fuchs, dessen sich die Einwohner von Thrazien bedienen, wenn sie über einen gefrorenen Fluß setzen wollen, und welchen sie zu diesem Ende vor sich her laufen lassen, wenn wir, sage ich, sähen, dass dieser Fuchs an dem Ufer des Stromes das Ohr sehr nahe an das Eis hielte (a), Acht gäbe, ob er das darunter weglaufende Wasser von ferne oder nahe bei sich rauschen hörte, und nachdem er hierdurch das Eis mehr oder weniger dicke fände, fort oder zurück liefe: würden wir nicht mit Rechte urteilen, dass er eben so dächte, wie wir in dergleichen Falle denken würden, und dass er natürlich den Schluß und die Folge machte: Was rauscht, das bewegt sich; was sich beweget, ist nicht gefroren; was nicht gefroren ist, ist flüßig; und was flüßig ist, gibt unter der Last nach. Es ist ein Hirngespinst, und wir können es uns gar nicht einbilden, dass alles dieses bloß von seinem scharfen Gehör herrühren sollte, ohne dass dabei Schlüsse und Folgen gemacht würden. Eben so müssen wir von so vielerlei Listen und Erfindungen urteilen, womit sich die Tiere vor unseren Nachstellungen sichern.

 

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(a) Plutarchus de Solertia animalium.


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Seite zuletzt aktualisiert: 16.08.2006 
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