Die Menschen sind, sowohl als die Tiere, Sklaven anderer Menschen


Wenn wir uns deswegen einen Vorzug über sie anmaßen wollen, weil wir sie fangen, uns ihrer bedienen, und nach unserm Willen mit ihnen umgehen können: so ist dieses kein anderer Vorzug, als eben der, welchen wir vor einander selbst haben. Eben so gehen wir auch mit unsern Sklaven um. Waren denn die Klimaziden (a) nicht Weiber in Syrien, die auf alle viere niederfallen, und den Damen, wenn sie in die Kutsche steigen wollten, zum Fußschemel und zur Leiter dienen mußten? Die meisten freien Leute geben wegen sehr geringer Vorteile ihr Leben und ihr Wesen in anderer Gewalt. Die Weiber und Beischläferinnen der Thracier (b) zanken sich darum, welche unter ihnen bei dem Grabe ihres Mannes getötet werden soll. Haben nicht die Tyrannen allezeit Leute genug gefunden, die sich zu ihrem Dienste gewidmet: ungeachtet sich einige noch dieses dabei bedungen, dass sie ihnen sowohl im Tode als im Leben zur Begleitung dienen müßten. Ganze Armeen haben sich hierzu gegen ihre Feldherren verbindlich gemacht. Die Eidesformel in der strengen Schule der Fechter, welche auf Leib und Leben gingen, enthielt folgende Versprechungen (c): Wir schwören, dass wir uns in Banden legen, brennen, schlagen, mit dem Schwert töten lassen, und alles leiden wollen, was rechtschaffene Fechter von ihrem Herrn leiden müssen; und widmen unsern Leib und unser Leben sehr heilig zu seinem Dienste:

 

Vre meum si vis flamma caput, et pete ferro

Corpus, et intoito verbere terga seca. (d)

 

Dieses war eine harte Verbindung: und dennoch fanden sich manches Jahr bei zehn tausend, welche sie eingingen, und darüber ihr Leben einbüssten. Wenn die Skythen ihren König begruben (e), erwürgten sie zugleich über seinem Leichname seine liebste Beischläferinn, seinen Mundschenken, seinen Stallmeister, seinen Kämmerling, den Türhüter an seinem Gemache, und seinen Koch. An dem jährlichen Gedächtnistage aber brachten sie fünfzig Pferde um, auf welchen fünfzig Pagen ritten, die sie durch den Rückgrad bis an die Kehle spießten, und so zur Schau um sein Grab herum stellten.

 

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(a) Plutarchus Tr. Quomodo amicus ab adulatore discerni possit.

(b) Herodot. L. V. p. 331.

(c) Dieses ist aus dem Petron genommen: Sacramentum, iurauimus, vri, vinciri, verberari, ferroque necari, et quidquid aliud Eumolpus iussisset, tanquam legitimi gladiatores domino corpora animasque religiosissime addicimus: Satyricon. C. 117.

(d) Brenne mich, wenn du willst, auf den Kopf, stosse mir das Schwerdt durch den Leib, und zerhaue mir den Rücken. Tibull. L. I. Eleg. X. v. 21. 22.67 Herodot. L. IV. p. 280.


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