RÖNTGENstrahlen

RÖNTGENstrahlen (RÖNTGEN geb. 1845, gest. 1923, Prof. in Gießen, Würzburg und München). Entstehung: Beim Abbremsen sehr schnell bewegter Elektronen (s. d), d. h. beim Auftreffen dieser Elektronen auf einen Bremsklotz = Antikathode (Röntgenstrahlung = Bremsstrahlung). Erzeugung von Elektronen 1. durch Ionenröhren (= "alte" RÖNTGENstrahlenröhren = "gasgefullte" Röhren). Vorgang: Stoßionisation. Kugelförmiges Glasgefäß, bis auf einen Luftrest ausgepumpt, mit 3 Elektroden: Kathode, (hohlspiegelartig gekrümmt), Antikathode (WOLFRAM) und Anode, letztere für den Betrieb nebensächlich. Zwischen Anode ( + ) und Kathode ( —) wird die Hochspannung angelegt. Das dadurch entstehende Feld bringt die im Gasrest immer vorhandenen freien Ionen (s. d.) zu schneller Bewegung: Aufprallen dieser Ionen auf Gasatome, dadurch Freiwerden von Elektronen, die mit großer Geschwindigkeit auf die Antikathode fliegen und dort abgebremst werden; von hier gehen die RÖNTGENstrahlen aus. — Viele Nachteile, wenig gebraucht. — 2. durch Glühkathodenröhren (= "neue" Röntgenstrahlenröhren = Elektronenröhren = COOLIDGEröhren = "gasfreie" Elektronenröhren). Vorgang: Aus glühenden Metallen treten bei hohen Temperaturen Elektronen aus. — Ähnlich geformtes Glasgefäß wie bei 1. mit zwei Elektroden, der Kathode, die aus einem el. geglühten WOLFRAMdraht besteht und der Antikathode = Bremsklotz. Der Kathodenheizstrom bestimmt die Menge der Elektronen, die an die Elektroden angelegte Hochspannung die Geschwindigkeit der Elektronen. Heute werden diese Röhren fast ausschließlich angewandt, da man mit ihnen sowohl die Qualität wie die Quantität der RÖNTGENstrahlen weitgehend regulieren kann. — Die Erzeugung der Hochspannung geschah früher (bei den vorherrschenden Gleichstromnetzen) mit Funkeninduktoren, heute allgemein mit Transformatoren, die den Netz-(Wechsel-)Strom auf die benötigte Röhrenhochspannung herauftransformieren. — Eigenschaften der RÖNTGENstrahlen: sie haben "Lichtcharakter", es sind elektromagnetische Wellen, genau wie die Lichtstrahlen; sie pflanzen sich geradlinig mit Lichtgeschwindigkeit fort. (Wellenlänge = 0,04—1,5 AE (1 AE = 1 ANGSTRÖMeinheit = 0,0000001 mm).

Diese Strahlen wirken chemisch auf die gewöhnliche photographische Platte; sie bringen Leuchtschirme aus Zinksulfid, Bariumplatinzyanür oder Kalziumwolframat zu fluoreszierenden Aufleuchten und, da verschiedene Stoffe, bzw. die verschiedenen Gewebe des Körpers verschieden dicht sind und also verschiedene Durchlässigkeit für RÖNTGENstrahlen haben, so ergeben sie auch Schattenbilder verschiedener Dunkelheit. Die Strahlenqualität ist bestimmt durch die an der Röhre liegende Spannung. Strahlenquantität oder Dosis ist die Strahlungsenergiemenge, die zu einer bestimten biologischen Wirkung: Erythemdosis, oder physikalisch chemischen Wirkung: SABOURAUDdose oder photographische Aufnahme nötig ist. Dies also ohne Rücksicht auf die hierzu notwendige Zeit. Strahlenintensität ist die Größe der Strahlenquantität, die in bestimmter Zeit erzeugt wird.


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Seite zuletzt aktualisiert: 19.05.2010 
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