Reiztherapie

Reiztherapie. Theoretische Grundlagen: Sera sind baktericid — erfolglos und meist verlassen, oder antitoxisch — wenige nur, aber brauchbar. Immunität, prüfbar in vitro, in vivo nur im Blut, nicht prüfbar in den Zellen. (PFEIFFERs Versuch nicht unbedingt einwandfrei, da der Einfluß der Bauchhöhle und das ganze Tier nicht ausgeschaltet.) Chemotherapie = Sterilisatio magna, auch nicht haltbar, da diese auch nur auf Umwegen über die Körperkräfte wirkt. Nach MUCH z. B. nur = Stimulatio magna. Die Vakzinetherapie soll also dem Körper nicht fertige Waffen liefern, sondern ihn zur Bildung solcher befähigen. Außerdem ist die spezifische, also gegen ein Bakterium gerichtete, durch die nicht spezifische zu erweitern: Abgestimmte Reizbehandlung. SCHMIDT-ARNDTs Gesetz: Grobe Reize zerstören die Zelltätigkeit, mittlere lähmen sie, milde regen sie an = Wissenschaftliche Homöopathie. Solche milden Reize können nicht wirken bei Krankheiten, wo grobe Reize die Zelltätigkeit zerstören. — Aber auch nicht, wenn sie auf das gleiche System einwirken, also etwa Blut, wenn dort schon der grobe wirkt. Also Einwirkung auf ein anderes System, etwa Haut als Haupt-Immunitäts-Organ, nicht nur Nachweisorgan. Immunität ist überhaupt Reizzustand im weitesten Sinne. Eine spezifische Reizbehandlung (Vakzinetherapie) ist nur bei Infektionen möglich. (PETRUSCHKY, PONNDDORF. Einreibeverfahren = mechanische Reizung. Quaddeleinspritzung). Gesamtbakterien oder durch Milchsäure aufgeschlossene Arten Vakzine käuflich zu haben, erhitzt bis 60° und aufgeschwemmt mit Karbolkochsalzlösung. Partigene können sich gegenseitig beeinflussen, also Prüfung mit Einzelstoffen. Dabei Reizschwelle nicht überschreiten, da ja nur milde anregen. Also spezifisch abgestufte Quaddelprobe: Minimum feststellen und Bruchteil davon injizieren. Wie überhaupt das Wesen aller Reiztherapie die Dosierung ist. (BIER arbeitet mit starken Reizen, da er von Heilfieber und Heilentzündung spricht.) Diese spezifische Reiztherapie bedeutet, da der Körper ohnehin gereizt ist, nur eine Addition. Man überschreitet eventuell die Reizschwelle und schadet noch. Also: unspezifisch, "allopathisch". Die zu dieser "Protoplasma-Aktivierung" verwendeten Mittel sind die Proteinkörper: Proteinkörper-Therapie = Milch, Milchmodifikationen, fremdes und eigenes Serum, dann Terpentinpräparate , kolloidales Kupfer, Silber, Yatren, abgesehen von Vakzineurin, Immunvollvakzine. Wahrscheinlich wären auch hierzu die Mittel der Chemotherapie zu rechnen, da wenigstens nach MUCH ihre Wirkung sich nicht von denen der unspezifischen Reiztherapie unterscheidet. Bäder, Röntgen usw. wären ebenfalls als unspezifische Reizgaben für die Haut zu betrachten. — Bei Infektionen, z. B. Tuberkulose, ist neben der spezifischen Reizbehandlung, auf die Spitze getrieben mit der Partigenbehandlung, auch die unspezifisch zu verwenden. Ferner z. B. bei gonorrhoischen Kniegelenkserkrankungen wird der Körper gegen einen spezifischen Reiz abgestumpft sein, während er auf andere allopathisch frische reagieren wird. MUCH und FRÄNKEL glauben, durch unspezische Reize den Körper gleich gut immunisieren zu können, wie mit spezifischen, weil eben auch eine unspezifische Reizbehandlung nicht nur die unspezifischen Kräfte, sondern auch die spezifischen mobilisiert. In gewissem Sinne wäre hierher auch die Hormontherapie zu rechnen, nämlich für alle die Fälle, wo man nicht nur einfach eine Zufuhr der fehlenden Substanz, wie bei der Thyreoidea, beabsichtigt, sondern einen Reiz ausüben, die Zellen veranlassen will, fortan richtiger zu arbeiten. Hierher gehören also alle die Fälle der Dyshormonien, Erschöpfungszustände, besonders sexueller Art, chronische Verstopfung der Frauen, Blutdrucksteigerungen.


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Seite zuletzt aktualisiert: 19.05.2010 
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