Pilzvergiftung

Pilzvergiftung Mycetismus. Wohl zu trennen von einer Vergiftung eßbarer, aber durch langes Liegen usw. verdorbener Pilze. Pilzvergiftungen, die durch Verspeisen giftiger Pilze entstehenden Erkrankungen, teils Brechdurchfall, Gastroenteritis, bis zu ausgesprochener Cholera nostras mit Kollaps, Delirien, Koma und Tod (hauptsächlich durch Knollenblätterschwamm, Amanita phalloides, und Lorchel), teils mit Erscheinungen wie bei Atropinvergiftung: Trockenheit im Halse bis zur Schlucklähmung, weite Pupillen, starke Erregung bis zu manischen Zuständen, Krämpfe, Koma und Tod. Bestes und alleiniges Gegenmittel ist genaue Kenntnis der Pilze. Neben einer Reihe von nicht giftigen, aber wegen Bitterkeit oder schlechten Geschmackes ungenießbarer Pilze, z. B. Schwefelkopf = Hypholoma fasciculare gibt es eigentlich nur einen, sehr giftigen und für Anfänger leicht zu verwechselnden, den Knollenblätterpilz = Amanita phalloides. Er wird mit dem Champignon (im französischen heißen alle Pilze Champignon) = Psalliota campestris, arvensis, sylvatis verwechselt. Untrügliche Zeichen sind für den giftigen Knollenblätterpilz die weißen Lamellen unter dem Kopf. Bei Champignons sind sie immer rosa in der Jugend, später braun bis schwarz. Außerdem beginnt der Giftpilz im Boden mit einer Knolle (woher der Name) und um diese Knolle eine becherförmige Hülle. Viele Champignons riechen stark nach Anis. Knollenblätterpilz ist immer geruch- und geschmacklos. Von sonstigen giftigen Pilzen ist zu erwähnen der Satanspilz = Boletus satanas weißes Fleisch, läuft erst rot, dann violett an. Dagegen genießbar ist Hexenpilz: gelbliches Fleisch, läuft sofort blau an. Der Laie läßt beide! Eine Verwechslung mit dem immer weiß bleibenden Steinpilz ist unmöglich. Der genießbare, dem Steinpilz ähnliche Birkenpilz läuft beim Kochen rein schwarz an. Der Anfänger läßt bei Zweifel auch diesen. (Ein sehr selten vorkommender nicht giftiger, aber sehr bitterer Pilz ist leichter mit dem Steinpilz zu verwechseln, der Gallenröhrling [Boletus felleus], er hat engere Röhrchen auf der Unterseite und diese sind rosa, während Steinpilz, wenn nicht ganz klein, immer grünliche Unterseite zeigt.) Der sogenannte Gift- oder falsche Reitzker Lactarius torminatus (piperatus) ist ohnehin nur verdächtig und so bitter, daß der Appetit vergeht. Er hat weiße Milch und das Fleisch bleibt weiß, der echte Reitzker Lactarius deliciosus, rote Milch und das Fleisch wird dunkelgrün. Morchel und Lorchel, die beide schon Todesfälle verursacht haben, enthalten die giftige Helvellasäure. Diese verflüchtet sich aber von selbst beim Trocknen. Sonst müssen die Pilze erst "abgebrüht" und dieses Wasser, das die Helvellasäure enthält, weggegossen werden, wodurch wiederum das Wesentlichste am Pilz, das Aroma, zum großen Teil verloren geht. Der immer als der gefährlichste genannte Fliegenpilz, Amanita muscaria, rot mit weißen Schüppchen, ist umstritten, jedenfalls wird der in Rußland wachsende gegessen!


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