Pest, Pestis, Pestilentia

Pest, lat. Pestis, Pestilentia früher Bezeichnung verschiedener Seuchen. Pest von Athen im 5. Jahrh. v. Chr., von Thukydides beschrieben, mit kleinen Hautgeschwüren, Erbrechen, Husten und Durchfall einhergehend, wahrscheinlich = Fleckfieber. Jetzt nur noch Lungenpest, die ausnahmslos zum Tode führt (Wiener Krankenhaus-Endemie!!) und die weniger gefährliche = Bubonenpest, Beulenpest, im Mittelalter schwarzer Tod, noch jetzt zuweilen in Rußland öfter in Hafenplätzen, im Orient, Afrika, mit hohem Fieber, Karbunkeln der unbehaarten Haut und besonders Leistendrüsenschwellungen, die brandig zerfallen; Pestpneumonie = Lungenpest = Pestichämie Erfüllung des Blutes mit Pestbazillen = Pestis fulminans, Pestis siderans. Doch findet man auch bei Bubonenpest sub finem Lungenödem mit Pestbazillen im Sputum. Betrifft die Pestdiagnose und die nötigen Maßregeln s. d. Reichs-"Anweisung zur Bekämpfung der Pest". Amtliche Ausgabe bei Julius Springer. Pestbazillen von KITASATO und YERSIN gleichzeitig während der Pestepidemie in Hongkong 1894 entdeckt. Große kurze Stäbchen, die Pole in Methylenblau dunkler gefärbt, gramnegativ aerobisch und sehr widerstandsfähig. Bei den äußerst seltenen Ausnahmefällen von Überstehen einer Lungenpest finden sich noch wochenlang Bazillen im Sputum. Diagnose: Färbung, Kultur, Tierversuch an Ratten, asiatischen Murmeltier, Überimpfung von Peritonealextrakt, Serodiagnose. Gewöhnlich vor Epidemieausbruch großes Rattensterben. Der eigentliche Infektionsträger ist der auch den Menschen anfallende Rattenfloh: Pulex Cheopis. Pestserum (YERSIN) scheint nicht von durchschlagendem Erfolg zu sein. Das HAFFKINsche Schutzimpfungsmaterial besteht aus abgetöteten Bouillonkulturen, das Reichspestschutzmaterial aus in Kochsalzlösung aufgeschwemmten Agarkulturen.


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