Dante

Dante. Ein Florentiner. Er verwaltete in seiner Republik die vornehmsten Ämter, bevor er verwiesen ward. Er schrieb danach sein großes dreifaches Gedicht la divina Comedia, das zwar unter die dogmatischen gehört, dem aber dieser außerordentliche Geist eine ganz poetische Gestalt gegeben. Die Hölle hat bei ihm die unselige Größe, noch der Himmel die erhabene Hoheit, welche sie bei Milton bekommen haben, eben so wenig als seine Teufel und seine selige Geister, die Größe der Miltonischen haben. Sein größtes Verdienst ist, dass er die Hölle, das Fegefeuer, das Paradies für Szenen gebraucht hat, auf welchen er die verschiedenen Charaktere aus allen Zeiten, Ständen und Weltteilen eingeführt hat. Sein Werk ist ein unerschöpflicher Schatz von Lebensarten und Sinnesarten der Menschen, voller Charakter, voller Reden, voller Lebensregeln. Die innersten Winkel der Seele werden da beleuchtet und die nützlichsten Lehren mitgeteilt. Man muss sehr allegoriesüchtig sein, wenn man verstecktere Geheimnisse darin suchen will. Man beschuldiget dieses Werk der Dunkelheit und Härte; aber wenn man hier und da die abstrakte und scholastische Materie erlaubt, so muss man ihm das Dunkle und Harte verzeihen. Er wollte nicht allein für die große Welt, sondern auch für die tiefsinnige, und insbesondere für die Peripatetiker schreiben. Von diesen Stellen gilt, was Plato von des Heraklit Naturlehre gesagt hat. Die Sachen, die ich verstehe, sind göttlich und ich glaube, dass auch die es sind, die ich nicht verstanden habe. Eine andere Art der Dunkelheit und Härte ist durch die Nachlässigkeit der folgenden Schriftsteller entstanden, welche die Wörter, die in des Dante Tagen angenehm und geläufig waren, haben entweichen oder gar untergehen lassen.

 Seine lyrische Gedichte verdienen nicht weniger Achtung,1 als sein großes Werk. Es leuchten darin gewisse poetische Tugenden hervor, die in dem großen Gedicht seltener sind. Was sich ihnen rohes angehängt hat, hindert uns nicht, dass wir nicht eine kernige, edle und artige Denkungsart darin entdecken. S. Muratori Storia della lingua ital. Er starb 1321. Er hatte drei Söhne und jeder von ihnen hat ein Werk über das dreifache Gedicht geschrieben.

 

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1 Io per nie non ho minore stima delle sue liriche poesie etc. Muratori storia della lingua Ital.

 


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