Deckengemälde

Deckengemälde. Gemälde, die auf den Decken der Zimmer oder ganzer Gebäude angebracht sind: sie werden auch mit dem französischen Namen Plafonds, genannt, weil die waagerechten Decken in dieser Sprache Plafonds genannt werden. Schon die Alten haben bisweilen Gemälde auf den Decken angebracht, die aber, wie aus einigen Fragmenten zu schließen ist, aus bloßen Zierraten bestanden haben und also von ganz anderer Art als die neueren gewesen sind; denn die Deckengemälde der Neueren stellen insgemein eine Handlung vor. Der Maler hebt durch seine Arbeit die Decke des Baumeisters wieder weg, lässt uns an deren Stelle den Himmel oder die Luft sehen und in derselben eine Handlung von allegorischen oder mythologischen Personen. Dadurch bekommen diese Gemälde, wenn sie nur sonst die Vollkommenheit ihrer Art haben, über andere Gemälde den Vorteil, dass sie einigermaßen aufhören Gemälde zu sein, in dem man den wahren Ort der Szene zu sehen glaubt.

 Diese Gattung scheint mehr Überlegung, Erfindung und Kunst zu erfordern als immer eine andere Gattung der Malerei. Um nicht unnatürlich zu sein, kann sie keine Vorstellung wählen als die sich zu dem Ort der Szene, der die offene Luft oder der Himmel ist, schickt. Da es also keine menschliche Handlung sein kann, so bleibt dem Maler die ganze Mythologie und die Allegorie offen. Nicht bloß die heidnische Mythologie, die sich selten in unsere Gebäude schickt und besonders in Kirchen höchst abgeschmackt wäre, sondern auch die christliche, die an Engeln und Heiligen einen reichern und erhabeneren Stoff hat als an den Göttern des Olymps. Die Allegorie in ihrem ganzen Umfang ist dazu schicklich, vorzüglich aber die, welche Wirkungen der Natur vorstellt, weil Luft und Himmel die Hauptszenen der Elemente sind. Jahres- und Tageszeiten, jede große Naturbegebenheit als Äußerungen allegorischer Wesen vorgestellt, finden da ihren Platz. Aber jeder Liebhaber nehme sich in Acht, solche Arbeiten einem gemeinen Künstler aufzutragen; denn dazu wird jedes Talent des Malers in einem hohen Grad erfordert.

 Der größte Zeichner wird in dieser Gattung nichts erträgliches machen, wenn er nicht ein sehr großer Meister der Perspektive ist; zumal da die gemeinen Regeln der Perspektive hierzu nicht ganz hinlänglich sind. Die gewölbten Decken erleichtern die perspektivische Zeichnung sehr und sind dabei zu solchen Gemälden vorzüglich bequem. Wenn man den Augenpunkt mitten im Gewölbe nimmt, so kann die ganze Decke mit einer einzigen Vorstellung angefüllt werden: in jedem anderen Fall aber muss die Decke in verschiedene Felder eingeteilt und jedem seine eigene, für einen besonderen Standort gezeichnete Vorstellung gegeben werden. Vornehmlich ist dieses bei sehr großen flachen Decken notwendig. Denn wer auf einer Decke, die achtzig oder wohl hundert Fuß lang, dabei nur etwa zwanzig bis 24 Fuß hoch ist, nur ein einziges Gemälde anbringen wollte, müsste notwendig die von dem Augenpunkt entferntesten Gegenstände so sehr verzogen vorstellen, dass sie außer dem Gesichtspunkt höchst unförmlich erscheinen würden. Dieses wird allemal geschehen, wenn auf dem Gemälde Gegenstände vorkommen, die weiter von dem Augenpunkt abliegen als die Höhe des Zimmers beträgt. Also ist wegen der Anordnung und Zeichnung der Deckengemälde sehr viel mehr zu überlegen als bei irgendeiner anderen Gattung. Eben dieses gilt auch von den Farben, die in den Deckengemälden nach einer eigenen Art müssen behandelt werden. Es wäre wohl der Mühe wert, dass die Regeln der Kunst, bloß in Absicht auf die Deckengemälde, in einem besonderen Werk vorgetragen würden. Denn wenn irgendein Teil der Kunst mit Genauigkeit will studiert sein, so ist es dieser, der überhaupt seinen eigenen Mann erfordert.

 


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