Der bleiche, herbstliche Halbmond


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Der bleiche, herbstliche Halbmond

Lugt aus den Wolken heraus;

Ganz einsam liegt auf dem Kirchhof

Das stille Pfarrerhaus.

 

Die Mutter liest in der Bibel,

Der Sohn, der starret ins Licht,

Schlaftrunken dehnt sich die ältre,

Die jüngere Tochter spricht:

 

"Ach Gott, wie einem die Tage

Langweilig hier vergehn!

Nur wenn sie einen begraben,

Bekommen wir etwas zu sehn."

 

Die Mutter spricht zwischen dem Lesen:

"Du irrst, es starben nur vier,

Seit man deinen Vater begraben

Dort an der Kirchhofstür."

 

Die ältre Tochter gähnet:

"Ich will nicht verhungern bei euch,

Ich gehe morgen zum Grafen,

Und der ist verliebt und reich."

 

Der Sohn bricht aus in Lachen:

"Drei Jäger zechen im Stern,

Die machen Gold und lehren

Mir das Geheimnis gern."

 

Die Mutter wirft ihm die Bibel

Ins magre Gesicht hinein:

"So willst du, Gottverfluchter,

Ein Straßenräuber sein!"

 

Sie hören pochen ans Fenster,

Und sehn eine winkende Hand;

Der tote Vater steht draußen

Im schwarzen Pred'gergewand.


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Seite zuletzt aktualisiert: 17.08.2005 
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