Ausflug nach Tirol


Kann man das Jodeln wohl

In meinem Alter lernen?

Nie war, wie in Tirol,

Ich derart nah den Sternen. 

     

Ich sah vom Stripsenjoch

Drüben an steiler Wand

Leute aufs Totenkirchl kraxeln,

Wahrscheinlich Sächseln

Aus Hosenträgerland.

Aber kühn und schön war es doch.

 

Was ich um Hochwürden dann

Später in Sankt Johann

Sang, lebte und sprach in der »Post«,

Schmeckte wie Herz am Rost

Nach ausgegangener Hochtouristenkost.

 

Alm und Kuhstall, fette Weiden,

Bärenwirt und Sennerin —

Wo ich durchgegangen bin,

Schien mir alles zum Beneiden.

Nur die Wandervögel, die

Einem jede Poesie

Und den Appetit verleiden,

Mocht ich meiden.

 

Alle Tiroler sind

Keine Amerikaner.

Wäre ich eine Mutter mit Kind,

Ich nährte mein Kind mit Terlaner.

Im Kursalon in Kitzbühel

Da ist des Nachts der Sekt so kühel.

Ich muß die Gäste loben,

Die zur Musik dort oben

So vornehm tanzen und schweigen,

Um ja nicht mehr zu zeigen

Als ihre hochmodernen Garderoben.

 

Ich möchte ein wilder Gebirgsbach sein,

Klar, schäumend, rauschend und blinkend,

Unhaltsam kämpfend von Stein zu Stein

Mich an mir selber betrinkend.

 

Daß ich mein Kragenknöpfchen verlor,

Kommt schließlich auch einmal anderwärts vor.

Du, mein einziges Tirol,

Lebe wohl! Lebe wohl!


 © textlog.de 2004 • 18.10.2017 20:41:35 •
Seite zuletzt aktualisiert: 08.08.2005 
Abuse Trap
  Home  Impressum  Copyright