Chartres


Kirchenfenster, Kirchenfenster,

Kirchenfenster, Kirchenfenst...

Hoch im Dachgebälk der Kathedrale

Sahen meine Freunde viel Gespenster.

Ich sah nur ein einziges, das internationale,

Ewige, gottfröhliche Gespenst,

Das nicht nur in Kathedralen

Sondern auch im Zöster und im Faust,

Auch in Püffen und in Apfelsinenschalen

Oder sonstens wo für den und jenen haust.

Der Professor, welcher im Beruf

Und bei seinen Leuten

An sehr erster, prominenter Spitze steht,

Wußte, wer das alles und wie und warum er's schuf:

Und er bat die Freunde, ihn zu bitten, uns zu deuten.

Und dann konnte er geflüssig, klar und sinnig

Steine, Formen, Farben lesen.

Und doch vor den schönen Kirchenfenstern bin ich

Damals glücklich ganz fernanderswo gewesen.

Doch dem Kirchendiener hab' ich lange

Zugeschaut — das hat mich zweitens intressiert —.

Wie der Kerl mit einer Eisenstange

Und mit einem Holzpantoffel raffiniert

Eine Maus beschlich.

Ach, die hatte sich

Scheu verirrt. — Nun mag man nicht vergessen,

Daß oft Mäuse ohne Ehrfurcht oder Scham:

Bibeln, Samt und Christusnasen fressen.

Doch ich freute mich

Ungeheuerlich,

Als die Kirchenmaus dem Kirchendiener doch entkam.



Quelle: www.textlog.de

 © textlog.de 2004 •
Seite zuletzt aktualisiert: 08.08.2005