Zum Wegräumen der Geräte


Veterinär, gleichzeitig Veteran,

Ein Mann, der 92 Jahre zählte,

Daß man zuletzt ihn aus Gewohnheit wählte,

Und trotzdem biegsam, schmiegsam wie ein Schwan.

Das war — trotz eines halbgelähmten Beines —

Der Ehrenvorstand unsres Turnvereines.

Und wirklich nahm er's noch im Dauerlauf

Und Schleuderball mit jedem Rennpferd auf.

 

Wettläufer sah ich — nun Gott weiß wieviel,

Doch ihrer keiner hielt wohl mit der gleichen

Bescheidenheit gelassen vor dem Ziel.

Denn niemand konnte ihm das Wasser reichen.

Dann griff er abseits zum Pokal. Und Hei!

Wie Donner klang sein Frisch-Fromm-Fröhlich-Frei.

Wie sich sein Vollbart, den er gern sich wischte,

Nach einem 80 cm-Sprung

Mit Kokosfasern einer Matte mischte,

Das bleibt mir ewig in Erinnerung.

Im Springen konnte überhaupt dem Alten

Zuletzt wohl keiner mehr die Stange halten.

 

Einmal, nach dem Genuß von sehr viel Weißwein,

Verstauchte er beim Spaltsitz auf dem Reck

Ganz unvermutet plötzlich sich das Steißbein.

Er aber wich und wankte nicht vom Fleck.

Im Gegenteil, er brach, um uns zu necken,

Sich noch den Sitzknorren der Sitzbeine am Becken.

Er turnte gern der Jugend etwas vor

Und mühte sich vor Buben oder Mädeln,

Die Beine in die Ringe einzufädeln,

Wobei er niemals die Geduld verlor.

Dann staunte ehrfurchtsvoll solch junges Ding,

Wenn er wie Christbaumschmuck im Nesthang hing.

 

Denn was ein Nesthängchen werden will, krümmt sich

beizeiten.


 © textlog.de 2004 • 17.10.2017 02:17:30 •
Seite zuletzt aktualisiert: 07.08.2005 
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